Befristete Mieten höher als unbefristete

30. Juli 2013, 12:47
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Richtwertmieten und freie Mieten stiegen zwischen 2005 und 2012 stärker als Einkommen - 54.000 befristete Mietverträge im Vorjahr abgeschlossen

Private (Haupt-)Mietwohnungen in Österreich waren 2012 im Schnitt um 1,30 Euro je Quadratmeter und Monat teurer als Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen. Im Jahr 2005 betrug diese Differenz nur 0,40 Euro – sie hat sich also in sieben Jahren verdreifacht, berichtet das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Zuge einer aktuellen Auswertung von Mikrozensusdaten der Statistik Austria (siehe Grafik unterhalb).

Einkommen halten nicht Schritt

Für Hauptmietwohnungen privater Eigentümer zeigen sich damit deutlich höhere Preiszuwächse als für die anderen zwei Eigentümerkategorien: Von 2005 bis 2012 stiegen die "freien und angemessenen Mieten" jährlich um 4,1 Prozent und die Richtwertmieten um 3,5 Prozent. Die Mieten für Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen erhöhten sich jährlich aber lediglich um 2,2 bzw. 2,4 Prozent.

Die allgemeine Teuerung lag in diesem Zeitraum bei 2,1 Prozent pro Jahr, die verfügbaren Haushaltseinkommen stiegen um 2,3 Prozent pro Jahr. Über alle Kategorien betrachtet legten die Mieten dagegen jährlich um 3,0 Prozent zu.

Richtwertmieten höher als freie Mieten

"Bestehende Richtwertmieten waren 2012 mit durchschnittlich 7,8 Euro/m² sogar signifikant höher als 'freie und angemessene Mieten' mit 6,5 Euro", heißt es in einer Aussendung des Wifo weiter. 64 Prozent aller dem Richtwert unterliegenden Wohnungen befinden sich in Wien, wo der Richtwert derzeit bei (netto) 5,16 Euro je Quadratmeter und Monat liegt und damit der zweitniedrigste nach dem Burgenland ist - ein vonseiten der Immobilienwirtschaft vielkritisiertes Faktum.

Dass die Richtwertmieten, die zum Großteil Mietverträge in privaten Altbauten (Zinshäuser) regeln, dennoch nicht günstiger sind als die Mieten auf dem freien Markt, ist laut Wifo auf die geringe durchschnittliche Mietdauer im Bereich der Richtwertmieten zurückzuführen. Sie liegt bei nur fünfeinhalb Jahren; das heißt, diese Wohnungen werden wesentlich schneller neu vermietet als Wohnungen, die zu einem frei vereinbarten bzw. "angemessenen" Mietzins vermietet werden. Hier bleiben die Mieter im Schnitt elf Jahre in der Wohnung.

Kaum Abschläge bei Befristungen

Hauptmietwohnungen privater Eigentümer werden außerdem zum überwiegenden Teil nur noch befristet vermietet. 2012 betraf dies 63 Prozent der neuen Mietverträge.

Bei der Neuvermietung von Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen sind Befristungen deutlich seltener, sie kommen demnach auf 20 bzw. zwölf Prozent aller Fälle. Wifo-Analyst Josef Baumgartner führt angesichts der für diese Sektoren auf den ersten Blick dennoch überraschend hohen Anteile statistische Ungenauigkeiten ins Treffen. Die Stichprobe sei relativ klein, und schon wenige Fälle mehr pro Jahr könnten in der Hochrechnung größere Sprünge bedeuten, erklärt er im Gespräch mit derStandard.at.

Immerhin werde bei Gemeindewohnungen der gesetzlich vorgesehene 25-prozentige Abschlag auf den Mietzins im Falle von Befristungen tatsächlich eingehalten – darauf würden die Zahlen der Statistik Austria hindeuten, so Baumgartner. Bei Mietverträgen mit privaten Eigentümern sei dieser Abschlag nicht festzustellen – ein Problem, auf das auch die Arbeiterkammer bereits wiederholt hinwies.

54.000 befristete Verträge im Jahr 2012

Eine befristete Hauptmietwohnung in einem privaten Mietverhältnis kostete 2012 im Schnitt 8,5 Euro je Quadratmeter und Monat (+23,3 Prozent gegenüber 2005), ein unbefristeter Mietvertrag kam auf 8,2 Euro (+37,4 Prozent).

Dass sich bei Genossenschaftswohnungen der Befristungsabschlag nicht zeigt, kann man laut Baumgartner aufgrund der geringen Stichprobengröße nicht sagen. 2012 wurden in Österreich insgesamt 54.000 befristete Mietverträge neu abgeschlossen; 45.900 davon waren Verträge mit privaten Vermietern, 2.800 betrafen Gemeinde- und 4.400 Genossenschaftswohnungen. Bei den beiden letztgenannten Kategorien sei der Unsicherheitsbereich der Hochrechnung aber sehr groß.

40 Prozent der Haushalte sind Mieter

Relevant ist die Wifo-Auswertung für 40 Prozent der österreichischen Haushalte - so viele bewohnen eine Hauptmietwohnung. In Wien sind es sogar 75 Prozent der Haushalte, im Burgenland z. B. nur 14 Prozent.

2012 machten Genossenschaftswohnungen und Mietwohnungen privater Eigentümer jeweils 40 Prozent und Gemeindewohnungen 19 Prozent aller Hauptmietwohnungen aus. Gut 44 Prozent aller Hauptmietwohnungen befinden sich in Wien, jedoch entfallen 72 Prozent aller Gemeindewohnungen, aber lediglich 29 Prozent der Genossenschaftswohnungen auf Wien. (Martin Putschögl, derStandard.at, 30.7.2013)

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    Mieter von Hauptmietwohnungen privater Eigentümer zahlten 2012 bereits um 1,3 Euro pro Quadratmeter und Monat mehr als die Mieter von Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen. 2005 lag die Differenz noch bei lediglich 0,40 Euro.



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