Nokia und Microsoft rücken noch enger zusammen

30. Juli 2013, 09:27
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Konzerne sollen bei Vermarktung und Entwicklung von Lumia-Smartphones stärker kooperieren

Nokia und Microsoft wollen auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt gemeinsam groß werden. "Beide Partner müssen wachsen", um das Geschäft mit dem Windows-Smartphone erfolgreicher zu machen, als es bisher ist, sagte Jo Harlow, die bei Nokia für das Smartphone-Geschäft zuständig ist, im Interview mit dem Wall Street Journal. Die beiden Unternehmen hätten bereits wichtige Schritte zu einer engeren Zusammenarbeit bei der Vermarktung und Konstruktion von Lumia-Smartphones unternommen.

"Dies ist eine Partnerschaft, und als Partner müssen wir beide Wachstum verfolgen", sagte die Managerin, die zu den engsten Vertrauten von Nokia-Chef Stephen Elop gehört. Der Start des Betriebssystems Windows 8 letztes Jahr und Nokias Produktoffensive hätten die Absätze des Lumia angekurbelt. Es müsse aber noch mehr getan werden.

"Wir brauchen eine bessere Wahrnehmung der Windows-Telefone und des Lumia, wir brauchen ein umfassenderes Angebot von Anwendungsprogrammen", sagte Harlow. Sie fügte hinzu, dass Nokia und Microsoft sich darauf konzentrieren müssen, eine Bandbreite an Produkten zu schaffen, die Aufmerksamkeit erregt. Die mangelnde Verfügbarkeit vieler Apps wurde bei den Windows-Geräten kritisiert. Es gibt zwar eine große Anzahl an Apps, aber viele beliebte Programme wie die Foto- und Video-App Instagram sind nicht zu haben.

Im Geschäft mit dem Lumia hat Nokia für das zweite Quartal recht vielversprechende Zahlen vorgelegt, obwohl die Nachfrage nach den übrigen Geräten, die die Finnen anbieten, spürbar nachgelassen hat. Das Problem ist, dass die Konkurrenten vielfach billigere Telefone im Angebot haben, deren Software sich oftmals auch noch größerer Beliebtheit erfreut.

Im Zeitraum von April bis Juni hat Nokia 7,4 Millionen Lumia-Geräte an die Kunden gebracht. Das ist für den finnischen Konzern ein Rekord, aber nur ein Bruchteil dessen, was beispielsweise Samsung  in einem Quartal absetzt.

Als Beispiel für die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Nokia und Windows hob Harlow das jüngst vorgestellte Flaggschiff, das Lumia 1020, hervor. Das neue Smartphone soll unter anderem mit seinen Fähigkeiten bei Fotos und Videos bei den Kunden Anklang finden. Dafür wurde es mit einem hochqualitativen Objektiv und einer verbesserten Software ausgestattet.

"Davon werden wir mehr sehen", sagte die Managerin. "Wir werden in der Zukunft sehr eng bei unseren Produkten und bei den Innovationen, die in diese Produkte einfließen, zusammenarbeiten. Davon haben beide etwas."

Um die Zusammenarbeit bei der Vermarktung zu preisen, verwies sie auf die Markteinführung des Lumia 928, das in den Läden des US-Mobilfunkanbieters Verizon zu haben ist. Man trete geschlossener auf, das hätten die jüngsten Kampagnen von Microsoft und Nokia gezeigt.

Die Smartphone-Ehe von Nokia und Microsoft ist im April 2011 zementiert worden. Die Partner wollen damit auf diesem hart umkämpften Markt ein gewichtiges Wort mitreden. Nokia war lange Zeit Marktführer bei Mobiltelefonen, hat aber den Anschluss gegenüber anderen Anbietern wie Apple und den Herstellern, die Telefone mit dem Google-Betriebssystems Android anbieten, verloren.

Windows-Telefone noch ohne großen Fußabdruck

In den folgenden Jahren nach der Kooperationsvereinbarung hat Nokia seine selbst entwickelten Smartphone-Betriebssysteme über Bord geworfen und gemeinsam mit Microsoft eine Reihe von Lumia-Telefonen auf den Markt gebracht. Bis jetzt hat Microsoft Nokia 1,75 Milliarden Dollar an Zahlungen zukommen lassen. Dafür hat sich Nokia verpflichtet, dem US-Konzern im Laufe der Zusammenarbeit Milliarden an Lizenzgebühren zu zahlen.

Bis Ende Juni hat Nokia mehr als 27 Millionen Lumia-Geräte ausgeliefert. Die Software aus dem Hause Microsoft kommt allerdings nicht nur auf dem Nokia-Smartphone zum Einsatz. Auch Samsung, HTC, Huawei und andere haben Windows-Geräte im Angebot. Nokia hat Analysten zufolge mit 80 Prozent aller Windows-Smartphones aber den mit Abstand größten Anteil.

Die Mangerin Harlow sagte, Nokia werde auch weiterhin günstigere Lumia-Modelle anbieten. Die Geräte am unteren Ende der Produktpalette könnten dabei mehr als günstige Android-Geräte.

Allerdings haben Windows-Telefone in der weltweiten Smartphone-Landschaft noch keinen großen Fußabdruck hinterlassen. Im Kampf der Betriebssysteme rangelt Microsoft gerade mit Blackberry um Platz 3. Im ersten Quartal betrug der Marktanteil von Windows-Telefonen nach Absatz gerade einmal 2,9 Prozent, wie aus den Daten des Marktforschers Gartner hervorgeht. Das System iOS von Apple kam auf 18,2 Prozent, Android sogar auf 74,4 Prozent.

Dennoch investiert Nokia einen Menge Geld in seine Lumia-Smartphones. In den USA gibt es beispielsweise mehr als ein Dutzend verschiedene Geräte zu kaufen.

Nokia ist dazu verdammt, seine Smartphones zum Erfolg zu führen. Der finnische Konzern ist in letzter Zeit immer stärker abhängig vom Lumia geworden. Das Problem ist nämlich, dass die herkömmlichen und die unter dem Namen „Feature Phone" bekannten einfachen Smartphones nicht mehr sonderlich gut laufen: Als das erste Lumia 2011 auf den Markt kam, verkaufte Nokia noch etwa 90 Millionen der herkömmlichen Mobiltelefone. Bis Juni 2013 ging diese Zahl auf 54 Millionen zurück. Gleichzeitig verdient Nokia weniger an den Feature Phones. Die Finnen müssen also mehr Exemplare der teureren Lumias verkaufen, um gutes Geld zu verdienen. (John D. Stoll, wsj.de/derStandard.at, 30.7.2013)

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    Microsoft-Chef Steve Ballmer und Nokia-CEO Stephen Elop: ihre Konzerne sollen noch weiter zusammenrücken.

     

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    Nokia-Managerin Jo Harlow: "Dies ist eine Partnerschaft, und als Partner müssen wir beide Wachstum verfolgen"

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