Mamnoon Hussain ist neuer Präsident Pakistans

30. Juli 2013, 13:00
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Zardari-Partei boykottierte Wahl - Präsident wurde von Parlamenten in Provinzen und in Islamabad bestimmt

Islamabad - In Pakistan ist der Geschäftsmann Mamnoon Hussain am Dienstag nach Angaben des staatlichen Fernsehens zum neuen Präsidenten gewählt worden. Der Politiker der regierenden Muslim-Liga (PML-N) erzielte die Mehrheit der Stimmen der Abgeordneten des Parlaments und der Regionalvertretungen, wie das Fernsehen berichtete.

Der Präsident wird von den Parlamenten in den vier Provinzen und in Islamabad bestimmt. Nominell ist er auch Oberster Befehlshaber der Streitkräfte. Die PML-N regiert mit absoluten Mehrheiten in Islamabad und in der größten Provinz Punjab, was ihr ausreichend Stimmen zur Durchsetzung ihres Kandidaten beschert.

"Eine Mischung aus islamischen Werten und den besten Praktiken aus dem Westen kann für uns funktionieren", sagte Hussain im Vorfeld der Wahl der Nachrichtenagentur dpa zu seinen Vorstellungen, wie die drängenden Probleme des Landes zu lösen sein könnten. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise und die Terrorbedrohung fügte er hinzu: "Ich weiß, dass wir ein riesiges Chaos beseitigen müssen." Er hoffe, dass ihm seine Erfahrungen in der Wirtschaft und der Politik - er verdient sein Geld mit Textilien und war 1999 Gouverneur der Provinz Sindh - dabei helfen werden.

Geistlicher und Intellektueller

Hussain besuchte in den 1950er-Jahren eine Koranschule (Madrasa). Er entschloss sich dann aber dagegen, Geistlicher zu werden. Seinen Universitätsabschluss machte er 1965 am renommierten Institut für Wirtschaftsverwaltung. Unter Militärmachthaber Pervez Musharraf war der bekennende Demokrat 2001 für einen Monat im Gefängnis. Hussain könne für "Einheit in der Vielfalt" stehen, sagt Irfan Shahzad vom Institut für Politikstudien in Islamabad der dpa. "Einen Mann in der Präsidentschaft zu haben, der eine Madrasa besucht, an einem Elite-Institut seinen Abschluss gemacht hat und sowohl Politiker als auch Geschäftsmann ist, ist immer hilfreich."

Missglückte Amtszeit Zardaris

Die größte Oppositionspartei - die Volkspartei PPP von Amtsinhaber Asif Ali Zardari - boykottierte die Wahl. Als Grund gab die PPP an, dass die Abstimmung eine Woche vorgezogen wurde und daher nicht ausreichend Zeit zur Vorbereitung blieb. Zardaris Zeit in dem weitgehend zeremoniellen Amt endet am 8. September. Zardari hatte die PPP nach der Ermordung seiner Ehefrau Benazir Bhutto Ende 2007 übernommen, wenige Monate später drängte Zardari seinen Vorgänger Pervez Musharraf aus dem Präsidentenpalast. Mittlerweile ist der einstige Hoffnungsträger einer der wohl unbeliebtesten Politiker Pakistans. (red, dpa, APA, 30.7.2013)

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    Mamnoon Hussain (73) übernimmt ab September das Amt des Präsidenten Pakistans.

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    Amtsinhaber Asif Ali Zardaritritt nicht mehr an. Die Beliebtheitswerte des Witwers von Benazir Bhutto sanken während seiner Amtszeit massiv.

  • Die Kandidaten der Opposition boykottieren die Wahl. Sitzend im Bild: Wajiuddin Ahmed von der Bewegung für Gerechtigkeit (PTI, mit Mikrophon) neben Parteichef Imran Khan. Auch der PPP-Kandidat Raza Rabbani (nicht im Bild) zog sich aus Protest gegen die Vorverlegung der Wahl zurück.
    foto: epa/w. khan

    Die Kandidaten der Opposition boykottieren die Wahl. Sitzend im Bild: Wajiuddin Ahmed von der Bewegung für Gerechtigkeit (PTI, mit Mikrophon) neben Parteichef Imran Khan. Auch der PPP-Kandidat Raza Rabbani (nicht im Bild) zog sich aus Protest gegen die Vorverlegung der Wahl zurück.

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