Wie aus Puchianern Prekorianer wurden

30. Juli 2013, 16:55
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Tourismusgeschichte: Vor 50 Jahren fuhren erstmals Angestellte der Grazer Puch-Werke nach Kroatien

Preko/Zagreb - "Ich bin als kleines Kind mit den Österreichern aufgewachsen", erinnert sich der Pizzeria-Besitzer Jusuf Elezi aus dem Ort Preko auf der kroatischen Insel Ugljan. "Wir haben uns den ganzen Winter darauf gefreut, dass die Puch-Graz-Leute kommen." Elezi kommt in dem soeben erschienenen Buch Lichtwechsel vor, das die Urlaubsreisen der Arbeiter und Angestellten der Puchwerke in Preko beschreibt, die vor 50 Jahren begannen.

In der Mitte des Bandes ist ein schöner Text des kroatischen Autors Robert Bacalja namens Kuinta platziert, der den Urlaub in Preko aus der Sicht eines österreichischen Buben beschreibt, der mit einem Autoreifenschlauch um seinen dicken Bauch das Meer erkundet und jenseits davon die Triezereien anderer Buben durchleidet. Das Besondere an den Urlauben in Preko war wohl, dass ein Betrieb jeden Sommer bis zu 2000 der 5000 Angestellten auf eine Insel schickte, auf der es nichts gab außer Esel, klarem Wasser und Leuten, die die "Puchianer", wie sie sich nannten, aufnahmen. Der Exchef des Arbeiterbetriebsrats, Werner Wenk, erinnert sich: "Von der ersten Minute an war es, als ob man zur Familie gehören würde. Wir sind in der Nacht angekommen. Unsere Vermieter haben mit Scheibtruhen auf uns gewartet, um unsere Koffer und Taschen in unsere Unterkunft zu bringen." Die Puchianer wurden einige Sommer lang hier sozialisiert und damit zu "Prekorianern". Es entstanden Freundschaften, die bis heute zu wechselseitigen Besuchen führen.

Fahrrad für Polizisten

Mitte der 1960er-Jahre brachten "die Grazer" ein Puch-Fahrrad für den Dorfpolizisten mit. Es war die Zeit, in der sich viele Mitteleuropäer erstmals leisten konnten, an die Adria zu fahren. Und Jugoslawien schottete sich nicht ab, sondern praktizierte eine liberale Einreisepolitik. Der Urlaub war einfach, aber intensiv, weil man der Insel ganz "ausgeliefert" war.

Einmal in der Woche kam ein Tankschiff mit Wasser aus Rijeka. Das Wasser war teils so knapp, dass sich zwei, drei Leute aus einer Schüssel wuschen. Die Hochschullehrerin Sylvia Sabathi erinnert sich an 1966: "Wir haben uns als Kinder absolut frei bewegen können, ohne Einschränkung." Braunwerden sei damals sehr wichtig gewesen. "Dafür haben wir Zitrone und Olivenöl benutzt." Und die Volksschullehrerin Monika Schraußer-Ruß erzählt: "Mein Vater war immer sehr zufrieden, dass es mit dem Kommunismus nicht so schlimm war, wie man immer gehört hat." (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 30.7.2013)

  • "Erinnerungen an Urlaube": Schwimmreifen-Installation der Künstlerin Luise Kloos von der Insel Ugljan auf die vorgelagerte Insel Galevac mit Franziskanerkloster.
    foto: kloos

    "Erinnerungen an Urlaube": Schwimmreifen-Installation der Künstlerin Luise Kloos von der Insel Ugljan auf die vorgelagerte Insel Galevac mit Franziskanerkloster.

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