Opernheim der Traumbilder

29. Juli 2013, 22:19
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Premiere von Verdis Falstaff im Haus für Mozart

Er hat sich etabliert als Regisseur des inspirierten Mainstream: Der Italiener  Damiano Michieletto steht für elegante Opernansichten ohne radikal-subjektive Einsichten.. War seine  Boheme des Salzburger Vorjahres sehr respektabel,  bewies er im Theater an der Wien mit Puccinis Il  Trittico jedoch durchaus virtuosen Humor.

Nun nahm sich Michieletto Giuseppe Verdis altersmilden Heiterkeitswurf vor, also Falstaff, und im Haus für Mozart war bis zur Pause zu sehen: Das Werk wurde  in die Gegenwart transferiert, in die Casa Verdi, jenes vom Komponisten einst gegründete Altersheim der Künstler.  Sir John Falstaff absolviert seine Annäherung an die Damenwelt als nicht mehr gebrauchter Sänger. Ein  Schlafender, den Traumabenteuer plagen.

Ambrogio Maestri gibt einen fülligen Herrn, der große Gesten schätzt. Man hat eine solche Rollenauslegung im Detail durchaus schon erlebt, aber immerhin: Es hat die Komödie einen gewissen Charme, es laufen die Pointen wie geschmiert. Und Maestri ist ein Routinier, dessen vokale Arbeit respektabel Glanz versprüht. Natürlich gibt dieser mit der Realität spielende Regierahmen der Geschichte zusätzliche Reize. Durchaus passabel bis zur Pause auch die Falstaff umsingenden Kollegen und Kolleginnen.  Die Wiener Philharmoniker steigen mit dieser Produktion in ihre Salzburger Opernarbeit ein. Und mit Dirigent Zubin Mehta zeigen die sich in guter Klangform. An exponierten Stellen war es indes immer zu laut.

Bei der Pause gab es herzlichen Applaus, aber das muss nicht viel heißen. In der Oper wird mit Regisseuren in der Regel erst am Ende abgerechnet. Michieletto muss allerdings wohl nichts Schlimmes befürchten. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, 30.7.2013)

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