Bundestagspräsident Lammert soll abgeschrieben haben

29. Juli 2013, 20:38
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CDU-Politiker will Doktorarbeit untersuchen lassen

Berlin - Der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, in seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben. Unter dem Pseudonym des Plagiatsjägers der zurückgetretenen deutschen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird ihm im Internet vorgeworfen, auf 42 Seiten seien Textpassagen aus 21 Quellen mit Unregelmäßigkeiten zu finden. Lammert sagte dazu der Zeitung "Die Welt" (Dienstag), die zuerst darüber berichtete: "Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt." Allerdings will er die Arbeit untersuchen lassen: "Ich habe die Universität Bochum unverzüglich darum gebeten, die Vorwürfe zu prüfen", sagte er dem Blatt weiter. Eine offizielle Stellungnahme Lammerts gab es zunächst nicht, wurde im Laufe des Abends aber noch erwartet.

Unter dem Pseudonym "Robert Schmidt" heißt es auf der Internetseite lammertplag.wordpress.com: "Einen erheblichen Teil der als verwendet angegebenen Literatur hat er ganz offenbar nicht gelesen; dies wird insbesondere anhand der Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler aus der Sekundärliteratur deutlich." Der Netzaktivist bejahte die Frage der "Welt", ob er damit ausdrücklich den schweren Vorwurf verbinde, Lammert habe plagiiert.

"Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung"

Lammert hatte die Dissertation mit dem Titel "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet" im Jahr 1974 an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhruniversität Bochum eingereicht, 1976 wurde sie veröffentlicht. Lammert wurde 1975 zum Dr. rer. soc. promoviert.

Der unbekannte Autor schreibt, die Untersuchung sei nach dem Erreichen von gut einem Drittel der Seiten des Hauptteils abgebrochen worden. Eine vollständige Dokumentation sei wegen des hohen Zeitaufwands nicht möglich. Zweck der Internet-Veröffentlichung sei es, sowohl die Universität Bochum als auch die Öffentlichkeit zu informieren.

Plagiatsvorwürfe haben bereits eine ganze Reihe von Politikern zu Fall gebracht. Zu den bekanntesten zählen der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP), und Schavan. Allen wurde der Doktortitel entzogen. Während Koch-Mehrins Klage dagegen erfolglos blieb, ist Schavans Verfahren noch nicht entschieden. (APA, 29.7.2013)

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