Schlappe für Ankara bei Nordzypern-Wahlen

29. Juli 2013, 19:06
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Erdogans Favorit schafft kein Comeback bei vorgezogenem Parlamentsvotum

In der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern hat die ehemals regierende, stark an Ankara angelehnte Nationale Einheitspartei UBP die Parlamentswahlen am Sonntag verloren. Der türkische Premier Tayyip Erdogan hatte in der Vergangenheit den UBP-Regierungschef Irsen Kücük als seinen Mann auf der Insel aufgebaut. Erdogans Verhältnis zum "Präsidenten" der türkisch-nordzyprischen Republik, Dervis Eroglu, gilt nämlich als schlecht.

Die rechts stehende UBP verlor fast 17 Prozentpunkte ihres Stimmenanteils gegenüber 2009 und wird im nur 50 Abgeordneten großen Parlament in Lefkosa mit 14 Sitzen vertreten sein. Wahlsieger ist die linke Republikanische Türkische Partei CTP. Sie führt derzeit eine Übergangsregierung mit einer Frau an der Spitze. Sibel Siber wird das Amt nun wohl an CTP-Chef Özkan Yorgancioglu abgeben; auch die CTP fordert die Anerkennung von Nordzypern.

Kücüks Regierung war im Juni von Rivalen in der eigenen Partei zu Fall gebracht worden, die dem Premier vorwarfen, Ankara gegenüber zu hörig zu sein. Kücüks Wiederwahl zum Vorsitzenden der UBP auf einem Parteitag im vergangenen Oktober war von Wahlempfehlungen aus Ankara begleitet und heizte im Inselnorden die Debatte über die Einmischung der Erdogan-Regierung in die Politik wieder an.

Der türkische Norden Zyperns ist seit der Invasion und der Teilung der Insel 1974 von der Türkei wirtschaftlich und finanziell völlig abhängig. Ankara kommt für einen Großteil des Haushalts auf und zahlt Gehälter, Pensionen und den Ausbau der Infrastruktur im türkischen Teil. Das De-facto-Embargo der EU gegen Nordzypern hat die Abhängigkeit nur verstärkt. Gegen den Sparkurs, auf den Ankara drängt, waren Proteste laut geworden. Erdogan fühlte sich dabei nicht ausreichend vom nordzyprischen "Präsidenten" Eroglu unterstützt. (Markus Bernath aus Istanbul /DER STANDARD, 30.7.2013)

  • Flagge zeigen am Feiertag der "Staatsgründung" am 20. Juli vor 30 Jahren: Bei den Wahlen in der inter­national nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern gab es einen Machtwechsel.
    foto: apa/epa

    Flagge zeigen am Feiertag der "Staatsgründung" am 20. Juli vor 30 Jahren: Bei den Wahlen in der inter­national nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern gab es einen Machtwechsel.

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