TVthek: ORF beruft in einem Teilpunkt - und verzichtet auf Werbeunterbrecher

30. Juli 2013, 11:14
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Privatsender sehen "Politik gefordert, dem Wettbewerbsdruck durch grenzenlose Werbemöglichkeit zu nehmen" - ORF: Kompromiss, um Vermarktung noch heuer zu starten

Wien - Die Medienbehörde erlaubte dem ORF zwar Werbung auf der TVthek, der Gebührenfunk hat abergegen einen Teil des Entscheids berufen haben - denn die Behörde untersagte ihm gezielte Werbung mit Bezug auf politische Infosendungen. ORF-Chef Alexander Wrabetz bestätigte diese Infos Dienstag in einem Brief an die Stiftungsräte. Ebenso diese: Nach weiteren Infos des STANDARD haben ORF und Wettbewerbsbehörde (BWB) nach dem Entscheid der Medienbehörde weitere Gespräche geführt. Die Wettbewerbshüter haben sich mit dem Küniglberg geeinigt, auf so genannte Mid-Roll-Spots zu verzichten. Ein erster Befund über Werbung auf der TVthek und den Umgang des ORF damit soll offenbar nach einem Jahr bewertet und veröffentlicht werden.

Der ORF hat mit Blick auf einen Start der Vermarktung noch heuer nur eine Teilberufung eingebracht und den Kompromiss mit den Wettbewerbsbehörden gesucht, bevor auch die BWB beruft.

General an Räte im O-Ton

Wrabetz schreibt den Stiftungsräten: "Der ORF akzeptiert die Auflagen für den Werbebereich (im wesentlichen keine Pre-rolls bei Informationsbeiträgen) und hat nur in einem Teilbereich Berufung eingelegt, der ursprünglich gar nicht Verfahrensgegenstand war – und zwar gegen die Abweisung einer Vermarktungsmöglichkeit im Zusammenhang mit spezifischem Sendungsbezug bei der Bereitstellung von kommerzieller Kommunikation.
 
Begleitend dazu hat der ORF mit der Bundeswettbewerbsbehörde ("BWB"), die ebenfalls Parteienstellung in diesem Verfahren inne hat, Maßnahmen zur Absicherung der Publikumsakzeptanz der TVthek vereinbart: Über die behördlichen Auflagen hinaus verzichtet der ORF komplett auf die Schaltung so genannter Mid-Roll-Spots beim Abruf von TV-Sendungen. Das heißt, Abrufe von einem oder mehreren Beiträgen aus einer Sendung werden nicht durch Werbung unterbrochen.
 
Außerdem wurde vereinbart, nach einem Jahr die Auswirkungen der werblichen Nutzung der TVthek auf das Verhalten der Userinnen und User zu evaluieren.
 
Die BWB hat keine Berufung gegen den Bescheid der KoA erhoben, so dass dieser mit Ausnahme des vom ORF beeinspruchten Teilbereichs in Rechtskraft erwachsen ist. Der ORF kann nun mit der Vorbereitung der inhaltlichen Weiterentwicklung und der Vermarktung der TVthek beginnen.
 
Es ist uns dadurch in den vergangenen Monaten gelungen, in zwei für den ORF sehr wichtigen Fragen zum einen rechtliche Klarheit zu schaffen und damit zum anderen neue Möglichkeiten in der Kommunikation mit unserem Publikum sowie der Finanzierung unserer TVthek, einem wesentlichen öffentlich-rechtlichen Innovationsprojekt der letzten Jahre, zu erschließen."

Privatsenderverband: "Politik gefordert"

Klaus Schweighofer, Vorsitzender des Privatsenderverbandes VÖP, bedauerte in einer ersten Reaktion, dass die Wettbewerbsbehörde die Möglichkeit einer Berufung nicht ergreift. "Der ORF hat mehr als ausreichend Werbemöglichkeiten", findet Schweighofer, auf der TVthek sollte sie also "generell unzulässig sein".

Der europäische Trend gehe vielmehr in die Richtung, die Werbemöglichkeiten öffentlich finanzierter Rundfunkunternehmen einzuschränken als sie zu erweitern: "Hier ist die Politik gefordert, das duale System von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk auch in Österreich ausgewogen zu gestalten." Das sieht Schweighofer auch im Interesse des ORF: "So würde man dem ORF unseliges Konkurrenzdenken nehmen, das sich in unglaublichen Auswüchsen wie dem Wegretuschieren von Privatsenderlogos bemerkbar macht." ORF-Chef Wrabetz hat das Retuschieren nach zwei jüngsten Fällen per interner Anweisung ausdrücklich untersagt. 

Die im Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) organisierten Verleger hatten dem Antrag des ORF auf Vermarktung der TVthek unter der Bedingung zugestimmt, dass es ihnen erlaubt ist, TVthek-Inhalte auf ihren eigenen Zeitungs-Plattformen zur Verfügung zu stellen und dort in Eigenregie zu vermarkten. Vor allem soll es dabei um Nachrichten und politische Formate gehen. Schweighofer sieht die "Politik gefordert, dem ORF den Wettbewerbsdruck durch grenzenlose Werbemöglichkeit zu nehmen". (fid, DER STANDARD, APA, derStandard.at, 30.7.2013)

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