Selbstanzeigen: Intelligentes Investieren

Kommentar29. Juli 2013, 18:32
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Die Legalisierung von Schwarzgeld ist in Österreich recht günstig zu haben

Aus moralischen Gesichtspunkten konnte man die mit der Schweiz und Liechtenstein geschlossenen Steuerabkommen natürlich kritisieren. Gerecht ist es nie, wenn Steuerflüchtlinge durch das Bezahlen eines kleinen Obolus den Weg zurück in die Legalität finden. Dennoch muss man festhalten: In Kombination mit den internationalen Bemühungen, Steueroasen trockenzulegen, zeigen die Abkommen Wirkung.

Es drängt sich aber noch ein anderer Schluss auf. Die Legalisierung von Schwarzgeld ist in Österreich recht günstig zu haben. Bei der Abgeltungssteuer gibt es zwar auf dem Papier Steuersätze von bis zu 38 Prozent, in der Praxis sind es aber meistens nur 15 Prozent, berichten Steuerberater. Gleichzeitig bleibt bei dieser Variante die volle Anonymität gewahrt. Was aber noch wesentlich bedenklicher ist: Bei Selbstanzeigen werden selten mehr als zehn Prozent des hinterzogenen Kapitals fällig. Hier hätte die Regierung also wesentlich kräftiger zulangen können. Nach dem Motto: Legalisierung ja, aber zu einem fairen Preis.

Geradezu grotesk wäre es, wenn nun wegen der Flut an Selbstanzeigen andere Prüffelder der Finanz leiden müssten. Die Gewerkschaft klagt zwar immer über Personalmangel, in diesem Fall aber nicht zu Unrecht. Eine Aufstockung der Finanzverwaltung würde nicht nur zu einer Erhöhung der Steuereinnahmen führen. Sie wäre auch ein Beispiel für intelligentes Investieren durch die Regierung. (Günther Oswald, DER STANDARD, 30.7.2013)

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