Wirtschaftsleistung: USA rechnen sich größer

29. Juli 2013, 18:26
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Statistiker ermitteln Wirtschaftsleistung neu und konzentrieren sich auf Kreativität

Washington - Am Mittwoch wird die amerikanische Wirtschaft einen Luftsprung machen. Zumindest, wenn es nach dem Bruttoinlandsprodukt BIP als Maßstab für Amerikas Wirtschaftsleistung geht. Denn die Wirtschaftsstatistiker des Bureau of Economic Analysis (BEA) werden das BIP künftig neu berechnen, und dabei der Kreativität und geistigem Eigentum ein größeres Gewicht geben.

Damit könnte die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft der Welt um drei Prozent steigen, das entspricht aktuell knapp 450 Milliarden Dollar. Auf einen Schlag nimmt das jährliche US-BIP damit so viel zu, wie Österreich in eineinhalb Jahren produziert - laut Daten des Internationalen Währungsfonds produziert Österreich jährlich 318 Mrd. Dollar. Eine positive Folge dürfte sein, dass durch die Revision der Schuldenstand der USA als Prozent der Wirtschaftsleistung sinkt.

Geistige Güter

Doch woher kommt der BIP-Sprung? Die Ökonomen des BEA reagieren mit ihrer Datenrevision auf eine Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte: die wachsende Bedeutung geistiger Güter ("intangibles", immaterielle Güter). Für Steve Landefeld, Direktor des BEA, war "eine der langjährigen Lücken in den Zahlen der Beitrag von immateriellen Gütern, etwa der Künste oder Medien, Forschung und Entwicklung, und wie sie ins BIP einfließen".

Investitionen in diese "intangibles" werden künftig aber neu vermessen. Unternehmen investieren vielleicht weniger in Fabriken oder Gebäude, aber verstärkt in die Forschung und Entwicklung von Produkten. Doch während die Produktion eines Medikaments etwa zum BIP gerechnet wird, wird die Erforschung noch nicht als Leistung definiert. Das ist künftig anders. Forschungsausgaben werden als Investitionen eingeordnet.

Überhaupt wird die statistische Revision den Begriff von Investitionen verändern. Künftig gelten auch Produktionskosten für dauerhafte Mediengüter wie Filme, Musik, Fotografien oder Bücher als Investition. Das BEA wird damit die Wirtschaftsgeschichte der USA umschreiben und die BIP-Zahlen seit 1929 anpassen.

Dabei sind die USA nicht alleine mit ihrem neuen Maßstab für Wirtschaftsleistung. Auf Ebene der Vereinten Nationen hatten sich Statistikbehörden bereits 2008 auf neue Standards geeinigt. Die Europäische Union etwa wird ab 2014 die breitere Definition von Investitionen messen.

Brustschwache Wirtschaft

Wenn die BEA am Mittwoch die neuen BIP-Zahlen und das Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal vorstellt, wird sich aber eines nicht ändern. Die US-Wirtschaft wird relativ brustschwach bleiben. Davon sind Ökonomen überzeugt. Im Schnitt rechnen die Experten gerade einmal mit einem Plus von 1,1 Prozent im zweiten Quartal. (sulu, DER STANDARD, 30.7.2013)

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