Mineralwasserabfüller obenauf

29. Juli 2013, 18:10
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Ab 30 Grad greifen auch Biertrinker zum Mineralwasser, das hilft auch regionalen Abfüllern abseits der großen Konzerne

Wien - Robert Schausberger lässt sich von großen Konzernen nicht das Wasser abgraben. Im Schatten von Ottakringer, Coca Cola Beverages und Carlsbader bedient er im Auftrag der Tiroler Familie Rieder den Lebensmittelhandel in Österreich, Bayern und Südtirol. Über Volumen spricht er nicht. Nur soviel: Die Erträge seien seit Jahren im Steigen, "wir sind guter Dinge."

Schausberger ist Chef der Mineralwasser-Marken Alpquell, Astoria und Tiroler Quelle mit Sitz in Münster. Die Rieder's Quellenbetriebe GesmbH ist neben der Starzinger-Gruppe (Juvina, Long Life, Frankenmarkter) einer der letzten Mittelständler der Branche in rein österreichischer Hand. Und das werde so bleiben, versichert er.

Die Tiroler schlagen weder groß die Werbetrommel, noch reichern sie ihre Wässerchen wie der Mitbewerb mit Geschmack an. Stattdessen bedienen sie Händler wie Spar mit günstigen Eigenmarken. Dies sei ein wachsender Markt - "aber man muss dieses Geschäft beherrschen." 2011 lag ihr Umsatz bei mehr als zwölf Millionen Euro.

Kleine Abfüller haben es nicht leicht

Die Gastronomie überlässt Alpquell anderen. Johanna Fischer etwa, die in der Steiermark mit der Peterquelle als regionaler Anbieter die Stellung hält. Leicht sei es nicht als kleiner Abfüller, sagt die Chefin des 54 Jahre alten Betriebs, "aber wir beißen uns durch." 25 Mio. Flaschen gehen von Deutsch-Goritz aus im Jahr in Gastgärten und Supermärkte. Der Hitzewelle kann Fischer nur Gutes abgewinnen: Das Jahr habe flau begonnen, ein heißer Tag hebe den Absatz gleich einmal um ein Drittel.

Peterquelle ist in Hand von fünf Gesellschaftern, einer ist Haribo-Erbe Hans-Jürgen Riegel. Im Vorjahr sei ihr die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelungen, sagt Fischer - Gewinne gebe es auch heuer. Den Turnaround geschafft hat zudem Gasteiner, sagt Unternehmenschef Harald Doppler. Der Export sei erhöht worden, heuer werde in Bad Gastein investiert. Die Salzburger gehören mehrheitlich Familie Spitz. 49 Prozent hält Ex-Alleineigentümer BrauUnion.

840 Millionen Liter Mineralwasser

Rund 840 Millionen Liter Mineralwasser trinken die Österreicher im Jahr, rechnet Marktforscher Andreas Kreutzer vor. Und es werde stetig etwas mehr, was vor allem zulasten klassischer Limonaden gehe, die von allen Seiten kannibalisiert werde. Die Geschmäcker gingen hin zu sanfter Kohlensäure, "was auch mit der Überalterung der Gesellschaft zu tun hat" .

Platzhirsch im Handel ist Ottakringer-Tochter Vöslauer, gefolgt von der Waldquelle, die im Besitz der tschechischen Carlsbader Mineralwasser AG ist, die wiederum der italienischen Familie Pasquale gehört. 160 Millionen Liter sorgten 2012 für 29 Mio. Euro Umsatz.

Heuer sei der Absatz bis Juni nicht an das Vorjahr herangekommen, erzählt Geschäftsführer Herbert Czech. Dank der jüngsten Hitze verließen nun jedoch täglich 80 LKW-Züge Kobersdorf - doppelt so viel wie an normalen Tagen.

Neu im Rennen sieht sich Güssinger. Nach turbulenter Vergangenheit kehrten die Burgenländer jüngst in österreichischen Privatbesitz zurück. Bei der 198 Jahre alten Firma sei vieles umgekrempelt worden, resümiert Geschäftsführer Stefan Lehrmayer. Nun werde die Produktion erweitert. Mit Hilfe stärkeren Exports soll heuer ein ausgeglichenes Ergebnis gelingen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 30.7.2013)

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    30 Grad Celsius sind die Schwelle, die Biertrinker zu Mineralwasser greifen lässt.

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