Golan-Abzug: Rückzug aus einem Bürgerkriegsgebiet

29. Juli 2013, 17:57
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Am Mittwoch dieser Woche kehren die letzten 44 am Golan verbliebenen Bundesheersoldaten heim

Wien – Zum Abschied hat es noch einmal ordentlich gekracht: In den vergangenen beiden Wochen haben Rebellen ihre Aktivitäten in der eigentlich entmilitarisierten Zone zwischen Syrien und Israel verstärkt – mit einem spektakulären Vorstoß auf die Ortschaft Al Qahtaniah. Diese liegt im südlichen Bereich jenes Streifens, der bisher von österreichischen Blauhelmen kontrolliert werden sollte, der aber schon vor dem Beschluss zum Abzug aus dem Krisengebiet außer Kontrolle geraten ist.

Das Gros der österreichischen Truppe ist inzwischen wieder in Österreich, die letzten 44 Soldaten (teils von syrischem und teils von israelischem Gebiet) kehren an diesem Mittwoch heim. Zwar sind inzwischen Ersatzkräfte von den Fidschi-Inseln nachgerückt, doch das eigentliche UN-Mandat ist nicht mehr erfüllbar: Es war darauf gerichtet, zu beobachten und zu melden, ob die Pufferzone auch wirklich entmilitarisiert ist.

Das ist sie nicht. In das Vakuum stießen etwa am 18. Juli Rebellen vor – und im Gegenzug reguläre syrische Truppen, die die Rebellen aus Al Qahtaniah hinauswerfen sollten: Im Internet finden sich Hinweise, dass die reguläre Armee SAF mit acht Ketten- und fünf Räderfahrzeugen eingegriffen hat.

Dabei wurde die SAF Opfer eines Anschlags, dessen Explosion weit auf israelischem Gebiet zu hören war: Eine sogenannte Daisy-Chain Bomb – hinter einander geschaltete Sprengsätze, die zugleich entlang einer Straße gezündet werden – beschädigte mehrere syrische Fahrzeuge.

Was Experten erstaunte: Diese Road Side Bomb war aufwändig konstruiert (neben den Sprengsätzen musste auch eine Autobatterie als Stromquelle installiert werden), offenbar mit großer Umsicht und entsprechend unbemerkt verlegt sowie mit einer elektronischen Fernzündung versehen worden, die auch professionell gegen Störsender abgeschirmt war.

Gerüchte, dass solche Bomben gezielt gegen UN-Blauhelme installiert worden seien, finden allerdings keine Bestätigung.

Die Österreicher sind jedenfalls nicht mehr in Gefahr: Ihre Ausrüstung ist verschifft, sogar das Feldzeichen, das das Ausbatt/Undof 39 Jahre lang im Einsatzgebiet repräsentiert hatte, ist wieder zurück, und die letzten Stabssoldaten und Sanitäter, die bis Monatsende im Dienst waren, kommen ebenfalls nach Österreich heim. Der rasche Abzug stellte für das Heer eine logistische Herausforderung dar. Innerhalb weniger Wochen müssen 30 Container mit Gerät abtransportiert werden.  (Conrad Seidl /DER STANDARD, 30.7.2013)

Chronologie: Österreichs Präsenz am Golan

1967 Sechstagekrieg: Israel erobert die Stadt Quneitra (Al Quanaytirah) von Syrien.

1973 Jom-Kippur-Krieg: Syrien erobert die strategisch wichtige Stadt kurz, aber Israel verdrängt anschließend die syrischen Truppen von den Golanhöhen.

3. Mai 1974 Der UN-Sicherheitsrat beschließt mit Resolution 350 die Einrichtung einer entmilitarisierten Zone auf den Golanhöhen nördlich (Berg Hermon) und südlich von Quneitra. Österreichs Bundesheer stellt mit rund 380 Mann des Ausbatt das größte Kontingent der United Nations Disengagement Observer Force (Undof).

6. Juni 2013 Nach schweren Kämpfen zwischen Rebellen und regulärer syrischer Armee in der Pufferzone stellt Österreich (vier Wochen nach einer ähnlichen Stellungnahme der philippinischen Regierung) fest, dass der Auftrag nicht mehr erfüllbar ist, weil die Zone nicht mehr entmilitarisiert ist und die UNO kein erweitertes Mandat erteilt hat. Die Truppe wird heimgeholt, alle Parlamentsparteien sind dafür.

5. Juli 2013 Das Gros des Ausbatt ist zurück, der Einsatz offiziell beendet.

31. Juli 2013 Die Nachhut von 44 Mann kommt in Wien-Schwechat an.

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    Container mit österreichischer Ausrüstung – Kleidung, Waffen, Munition und sogar eine Kirchenglocke – bei der Verladung im Hafen von Haifa (Israel).

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