"Landschaft war nie Teil des Welterbes"

29. Juli 2013, 17:25
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Eine "bedauerliche Fehlinformation", die sich auch in Unterrichtsmaterial über die Stätten des Unesco-Welterbes in Österreich eingeschlichen habe, sieht man im Ministerium bei der Semmeringbahn. Nun ist "die umgebende Landschaft" gestrichen

Wien - "Es ist eine bedauerliche Fehlinformation", die sich lang gehalten habe. So begründet man im Kulturministerium von Claudia Schmied (SPÖ) die jüngst vorgenommenen Änderungen, was Umfang und räumliche Ausdehnung des Unesco-Welterbe-Gebiets Semmeringbahn betrifft. "Die umgebende Landschaft war nie Teil des Welterbes", sagte ein Sprecher auf Standard-Anfrage.

Leider habe sich diese Fehlinformation bereits in den frühen 2000er-Jahren eingeschlichen - auch in offizielle Informationsbroschüren und Unterrichtsmaterialien des Ministeriums. Nun werde dieser Irrtum bereinigt. Denn die Begründung für die Aufnahme der Semmeringbahn in die Unesco-Welterbeliste sei immer nur die Gebirgsbahn gewesen.

Dass das Bildungsministerium noch 2007 in einer gemeinsam mit der österreichischen Unesco-Kommission herausgegebenen Hochglanzbroschüre über Welterbe in Österreich die "Semmeringbahn und umgebende Landschaft" anführte, sei Teil dieses Irrtums.

Auslegungssache

Ob die seinerzeitige Begründung der Unesco für die Aufnahme der Semmeringbahn reine Auslegungssache ist, bleibt abzuwarten. "Kriterium iv" für die Aufnahme im Dezember 1998 in Kioto lautete jedenfalls: "Durch den Bau der Bahn wurden Gebiete großer natürlicher Schönheit leicht zugänglich, sie wurden für Wohn- und Erholungszwecke erschlossen. Eine neue Form der Kulturlandschaft entstand." Das bedeute, führt Unesco-Generalsekretärin Gabriele Eschig aus: "Die Eisenbahnstrecke bildet den außergewöhnlichen universellen Wert, und die umgebende Landschaft stellt eine Referenz auf die Bedeutung der Bahn dar."

Im Übrigen möge der Standard künftig die österreichische Unesco-Homepage konsultieren, nicht die deutsche. Auf der war die Semmeringbahn bis vor wenigen Tagen noch mit Landschaft Welterbe. "Diese Information ist nicht korrekt, die Richtigstellung bereits veranlasst." Die Deutschen reagierten rasch, "die umgebende Landschaft" ist weg.

Flächenwidmung

Auch die neue Flächenwidmung wie in dem von Anrainergemeinden, niederösterreichischer und steirischer Landesregierung sowie ÖBB-Infrastruktur AG erarbeiteten "Welterbe Semmeringbahn Managementplan" sei zulässig, betont das Ministerium. So wurde das 8800 Hektar große Schutzgebiet in 156 Hektar Kernzone (mit Semmeringbahn) und rund 8600 Hektar Pufferzone unterteilt. "Pufferzonen sind nicht Teil des Welterbes, tragen aber zu seinem Schutz bei und sind daher auszuweisen", erklärt die Unesco-Kommission. Die Zonierung sei 2009 von der Unesco in Sevilla angenommen worden. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 30.7.2013)

  • Viadukte im Doppelstock sind eine Besonderheit der Ghega-Bahn über den Semmering.
    foto: afn / christian schuhböck

    Viadukte im Doppelstock sind eine Besonderheit der Ghega-Bahn über den Semmering.

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