Die Tochter will das Imperium übernehmen

30. Juli 2013, 05:30
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Wie Silvio Berlusconi gilt auch Marina Berlusconi als ehrgeizig und machtbewusst

In Mailand pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Marina, die 46-jährige Tochter von Silvio Berlusconi, soll seine Nachfolgerin werden. Sie soll nicht nur seiner Partei PdL zu neuem Glanz verhelfen, sondern Berlusconis Medienimperium auch weiterhin politischen Rückhalt garantieren. Angeblich soll die älteste Tochter des Cavaliere selbst ihr engstes Umfeld davon überzeugt haben, dass sie nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch die geeignete Erbin sei. Offiziell hat sie ihre Absichten bisher freilich dementiert – aber das hat nicht nur in Italien nichts zu bedeuten.

Als Präsidentin der Berlusconi-Familienholding Fininvest (Grafik rechts) besitzt sie Führungskompetenz. Zwar hat Fininvest erstmals nach einer jahrelangen Gewinnperiode für 2012 einen Verlust von 258 Mio. Euro ausgewiesen, doch dieser ist primär auf massive Wertberichtigungen und Rückstellungen zurückzuführen. Letztere waren nötig geworden, da Berlusconi wegen Betrugs im Zusammenhang mit der Kontrolle des Mondadori-Verlags gerichtlich zu einer Geldstrafe von rund 500 Mio. Euro verdonnert wurde.

Auch die Fininvest-Schulden von 1,9 Milliarden Euro sind keine Kleinigkeit. Die zu 100 Prozent in den Händen Berlusconis und seiner fünf Kinder befindliche Holding kontrolliert unter anderem den börsennotierten Medienkonzern Mediaset, die Verlagsgruppe Mondadori, die Finanzgruppe Mediolanum sowie den Fußballclub AC Milan und das Teatro Manzoni. Sowohl Fininvest als auch ihre wichtigste Division Mediaset bewegen sich in schwierigem Fahrwasser. Juristische Querelen belasten ebenso schwer wie der Streit um Übertragungsfrequenzen, der verschärfte Wettbewerb und sinkende Konsum- und Investitionsbereitschaft.

Die Analysten des Wertpapierhandelshauses Kepler zeigen jedoch Zuversicht: Nach einem Verlust von 2012 erwarten sie für 2013 wieder einen Mediaset-Gewinn von 20 Millionen Euro. Als Aktionärin sitzt Marina Berlus­coni unter anderem auch im Verwaltungsrat der Mediobanca und mischt damit im Finanzgeschehen des Landes mit.

Marina Berlusconi verbindet viel mit ihrem Vater: Beide sind hervorragende Rhetoriker, beide gelten als extrem ehrgeizig und beide streben gezielt nach Macht. Und beiden wird ein gewisser Hang zu Schönheitschirurgen nachgesagt.

Die Ehefrau eines ehemaligen Balletttänzers und Mutter von zwei Söhnen hat sich bisher nie öffentlich mit Politik befasst, aber sie ist auf dem Weg dazu: Berlusconi-Freund und Parlamentarier Paolo Del Debbio soll ihr bereits politischen Nachhilfeunterricht erteilen. Allerdings könnte es der Managerin, laut Forbes der "mächtigsten Frau Italiens", an Ausdauer mangeln: Bereits nach wenigen Jahren schmiss Marina ihr Wirtschaftsstudium hin – als Berlusconis Tochter hatte sie ja keinen akademischen Titel nötig. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand/DER STANDARD, 30.7.2013)

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    Marina Berlusconi (46) will das Familienunternehmen im Sinn ihres Vaters weiterführen.

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