Fröhliche Klangmassen

29. Juli 2013, 17:51
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Das Projekt "superar" und das Youth Orchestra of Caracas bei den Salzburger Festspielen

Salzburg - Allgegenwärtig ist in Salzburg El Sistema, das venezolanische Musikausbildungsprojekt: auf den Konzertpodien der Stadt fast täglich. Auch läuft u. a. im Foyer des Großen Festspielhauses eine Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Fotos, die nach Venezuela gereiste Fotografen in dortigen Musikschulen und bei Orchesterproben schossen.

Es gibt aber auch eine indirekte Präsenz dieser 1975 gestarteten Initiative - etwa im Hangar 7. Ebendort hatte am Wochenende superar 400 Kinder (aus Österreich, der Schweiz, der Slowakei, Rumänien, Bosnien und der Türkei) zu einem Chor geeint. Auch war der National Youth Choir of Venezuela von El Sistema dabei. Schließlich: Die Initiative superar, die sich für mehr Musik und Tanz im Alltag von europäischen Jugendlichen einsetzt, ist nach dem venezolanischen Vorbild gegründet worden. Vom Wiener Konzerthaus, von den Sängerknaben und der Caritas.

Es klang wie wahre Weltmusik: Carl Orffs herzhaft umgesetztes O Fortuna aus den Carmina Burana kam auch in den Genuss einer Bongobegleitung; ein türkisches Lied präsentierte eine bosnische Strophe und erhielt durch eine chinesische Laute, die Pipa, ganz neue Färbungen. Natürlich wurde auch gejodelt, gab es Gospels und allerlei Venezolanisches.

Ähnlich opulente Klangmassen auch in der Felsenreitschule, wo das Youth Orchestra of Caracas gastierte: Es ist Teil der dritten Generation der von El Sistema gegründeten Orchester, und es beeindruckt wie das Simon Bolivar Orchestra durch seine Besetzungsdimension. Da sind riesige Bläsermassen zugegen, um Schostakowitschs Festliche Ouvertüre op. 96 umzusetzen, was natürlich Wirkung macht. Bei Schostakowitschs neunter Symphonie (vom Komponisten an sich klein besetzt gedacht) blieb vom intendierten giftig-grotesken Tonfall indes nicht sehr viel übrig.

Tschaikowskys 5. Symphonie litt an der Größe (u. a. zwölf Kontrabässe) weniger; Dirigent Dietrich Paredes sorgte für eine respektable Umsetzung. In Erinnerung wird jedoch vor allem der Zugabenblock bleiben - ob der showmäßig-virtuosen Entfesselung von Energie und Drive.   (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 30.7.2013)

  • Ausstellung im Großen Festspielhaus: fotografische El-Sistema- Impressionen. 
    foto: maracay/kohut

    Ausstellung im Großen Festspielhaus: fotografische El-Sistema- Impressionen. 

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