Europas Investment-Märkte driften auseinander

29. Juli 2013, 16:34
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Starke Rückgänge in Frankreich und Großbritannien, Deutschland und Osteuropa sind bei Investoren dagegen äußerst beliebt

Die Investments auf den europäischen Gewerbeimmobilienmärkten legten im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 30,11 Milliarden Euro zu. Dass die Entwicklung in den einzelnen Ländern aber überaus unterschiedlich verläuft, offenbart schon ein zweiter Blick auf die Zahlen: Sowohl auf dem größten Markt Großbritannien, der 9,12 Milliarden Euro schwer ist, als auch auf dem drittgrößten Markt Frankreich (3,15 Milliarden Euro) gab es empfindliche Rückgänge von 6,5 Prozent bzw. sogar 24 Prozent.

Für das starke Wachstum ist hauptsächlich der zweitgrößte Investment-Markt Deutschland verantwortlich, wo es laut Zahlen von CBRE im 2. Quartal einen Zuwachs von 36,8 Prozent auf 5,88 Milliarden Euro gab. Das Land profitierte demnach sowohl von der starken Nachfrage inländischer Investoren als auch vom weltweit wachsenden Interesse.

Leichte Erholung in Krisenländern

Insgesamt verzeichnete Deutschland in den letzten vier Quartalen ein Invest-Volumen von 28,4 Milliarden Euro, ein Plus von 36 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr 2013 erzielte Deutschland mit 12,6 Milliarden Euro (plus 34 Prozent) das höchste Halbjahresergebnis seit dem Boomjahr 2007.

Wie bereits berichtet, wurden im gesamten ersten Halbjahr in Europa laut CBRE 60 Milliarden Euro in Gewerbe-Immobilien investiert. Im gleichen Zeitraum 2012 waren es nur rund 48 Milliarden.

Die am stärksten von der Krise in der Eurozone betroffenen Länder Italien, Spanien, Portugal und Irland wiesen im ersten und zweiten Quartal eine allmähliche Erholung der Immo-Investments auf, wenn auch auf niedrigem Niveau. Im 2. Vierteljahr lag das Volumen in diesen vier Staaten bei 2,5 Milliarden Euro, im gleichen Vorjahreszeitraum war es nur eine Milliarde gewesen. In Österreich schrumpfte das Investmentvolumen sogar.

Starkes Wachstum in CEE

Wachstumstreiber ist neben Deutschland auch Mittel- und Osteuropa: In der Region CEE wurden im ersten Halbjahr rund 4,5 Milliarden Euro in Immobilien investiert, laut CBRE war das ein Anstieg um rund 60 Prozent gegenüber der ersten Jahreshälfte 2012.

Nach wie vor werden fast 90 Prozent aller Investments in Polen und Russland getätigt - allerdings lasse die Dominanz dieser beiden Märkte nach, heißt es. Insgesamt wurden in Russland im ersten Halbjahr rund 2,896 Mrd. Euro investiert, in Polen 1,034 Mrd. Euro. In Tschechien liegt das Investitionsniveau bei rund 246 Mio. Euro.

Hohe Leerstandsraten im Osten

Allerdings hat in beinahe allen Hauptstädten der CEE-Region die Leerstandsrate die Zehn-Prozent-Marke überschritten. Während St. Petersburg und Warschau in etwa bei dieser Marke liegen, verzeichne Sofia bereits mehr als 20 Prozent Leerstand. Zum Vergleich: In Wien ist offiziell von 6,7 Prozent an leerstehenden Büroflächen die Rede.

In Warschau entstehen zur Zeit rund 450.000 m² an neuen Büros. Zwar sind etwa ein Drittel davon bereits vorvermietet, doch die Leerstandsrate werde dennoch auch in der polnischen Hauptstadt in den nächsten Jahren steigen, erwarten die Experten. (red/APA, derStandard.at, 29.7.2013)

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    Großbritannien (Bild: London) ist als Zielland für Investitionen in Gewerbeimmobilien zwar immer noch Europas Nummer 1, doch Deutschland holt stark auf.

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