Syrische Armee eroberte wichtigen Stadtteil von Homs

29. Juli 2013, 21:15
100 Postings

Aufständische suchen Schuld beim Westen und der Opposition

Damaskus - Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen haben syrische Regierungstruppen offenbar eine wichtige Rebellenhochburg unter ihre Kontrolle gebracht und damit ihre Vormachtstellung im Bürgerkrieg ausgebaut. Nach einmonatiger Belagerung vermeldete das Staatsfernsehen am Montag für Homs die Einnahme des Viertels Chaldije, das seit September 2011 von den Aufständischen gehalten worden war.

Die Gegner des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, denen jetzt nur noch einige Altstadtviertel in ihrer einstigen Bastion Homs bleiben, räumten ihre Niederlage ein: 90 Prozent von Chaldije seien in den Händen der Streitkräfte, sagte ein Rebell. Der syrischen Opposition und der internationalen Gemeinschaft machte er schwere Vorwürfe: "Sie haben die syrische Revolution einer politischen Lösung geopfert", wetterte er. Die Aufständischen werfen dem Westen seit langem vor, sie nicht mit Waffenlieferungen im Kampf gegen Assads hochgerüstete Armee und Luftwaffe zu unterstützen.

Derweil feierten Assads Anhänger ihren Erfolg in Homs, das wochenlang und nahezu täglich mit Kampfflugzeugen und Artilleriegeschützen beschossen worden war. "Die Streitkräfte haben die Sicherheit und Stabilität in Chaldije wieder hergestellt", verkündete das Staatsfernsehen. Ein Armee-Offizier kündigte in einem Interview an, "die Terroristen aus allen anderen Bezirken von Homs zu vertreiben" und anschließend "ganz Syrien zu säubern".

Schlüsselrolle

Tatsächlich kommt Homs als drittgrößter Stadt des Landes eine strategische Schlüsselrolle zu. Es sichert die Verbindungsroute zwischen der Hauptstadt Damaskus und der Küste sowie Assads Machtbasis im alawitisch geprägten Hinterland. "Wenn Homs komplett fällt, wird der Norden Syriens vom Süden abgeschnitten", fasste ein Rebell die Befürchtung seiner Mitstreiter zusammen, die Homs einst den Beinamen "Hauptstadt der Revolution" verpasst hatten.

Für Assads Truppen wäre die vollständige Einnahme ein weiterer wichtiger Schritt, nachdem sie Anfang Juni schon die Rebellenhochburg Kussair (Kusseir/Qusair) zurückerobert hatten. Wie damals wurden die Streitkräfte auch bei der Belagerung von Homs durch Kämpfer der radikalislamischen Hisbollah-Miliz aus dem benachbarten Libanon unterstützt.

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor zwei Jahren sind nach Schätzung der Vereinten Nationen mehr als 100.000 Menschen getötet worden und Millionen Syrer aus ihrer Heimat vertrieben worden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) appellierte daher an die EU-Staaten, vorerst 10.000 weitere Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Sollte der Bürgerkrieg unvermindert weitertoben, müssten in den kommenden Monaten möglicherweise noch mehrere zehntausend Vertriebene zusätzlich in Sicherheit gebracht werden, sagte UNHCR-Sprecher Stefan Telöken am Montag im SWR.

Die Situation in Syrien habe sich auch dadurch verschärft, dass "die Grenzen der Nachbarländer nicht mehr so offen sind, wie sie es über eine lange Zeit des Konfliktes waren", sagte Telöken. Innerhalb Syriens seien ebenfalls einige Fluchtwege abgeschnitten. Mehr als 1,8 Millionen registrierte Flüchtlinge leben nach UN-Angaben inzwischen in angrenzenden Staaten. Telöken zufolge sind von den zugesagten drei Milliarden Euro an humanitärer Hilfe zudem erst 38 Prozent eingetroffen.  (APA, 29.7.2013)

Share if you care.