Leistungsschutzrecht: Rivva verzichtet auf 650 Quellen

29. Juli 2013, 16:23
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Macher kritisiert bürokratischen Aufwand für Ein-Personen-Projekt - Springer verzichtet vorläufig auf Lizenzgebühren

Am 1. August tritt in Deutschland das Leistungsschutzrecht für Presseverlage (LSR) in Kraft. Von vielen Beobachtern befürchtet, hat dies auch massive Auswirkungen auf den von der Netz-Community geschätzten Nachrichten-Aggregator rivva.de. Der Dienst filtert soziale Netzwerke nach vielfach empfohlenen Artikeln und debattierten Themen. Kurze Textausschnitte, sogenannte Snippets, werden dort immer mehr verblassen und schließlich Ende der Woche nicht mehr dargestellt.

Bürokratie

An die 650 Lokalzeitungen, Magazine und ihre Blogs werden "angesichts der aktuellen Rechtsunsicherheit nicht mehr in der Aggregation auftauchen", schreibt Betreiber Frank Westphal in einem Blog-Eintrag und beklagt den bürokratischen Aufwand. Alle relevanten Quellen einzeln um Erlaubnis zu fragen "sprengt ein Ein-Personen-Projekt. Was fehlt, ist ein maschinenlesbarer Standard".

Öffentlichkeit

Blogger Marcel Weiß sorgt sich in einem Beitrag auf neunetz.com um die Öffentlichkeit im Netz: "Das deutsche Presseleistungsschutzrecht zerstört den wichtigsten Baustein für die Arbeitsteilung in der vernetzten Öffentlichkeit".

Opt-in-Verfahren

Google lässt sich wie berichtet von Medienunternehmen bestätigen, ob sie ab August in Google News vertreten sein wollen. "Süddeutsche Zeitung", "Zeit Online" und "Spiegel Online" stimmten bereits zu. Überraschend ist hingegen, dass auch der Springer-Verlag ("Bild", "Welt") das Opt-In-Verfahren, mit dem der Suchmaschinenriese Lizenzgebühren umgehen will, wählt. Dies sei nur eine "Übergangsregelung", wie ein Sprecher der Tageszeitung "taz" sagt. Künftig strebe man sehr wohl eine Rechteverwertung an.

Das Leistungsschutzrecht erlaubt Verlagen, von Suchmaschinen und Nachrichten-Aggregatoren für die Verwendung von Verlagstexten im Internet eine Lizenz zu verlangen. (sb, derStandard.at, 29.7.2013)

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