J. J. Cale 74-jährig gestorben

29. Juli 2013, 10:17
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Der Gitarrist und Songwriter sorgte für Schubkraft für die Karrieren von Eric Clapton und Marc Knopfler

Wien / San Diego - Früher galt der US-Bundesstaat Oklahoma als Dorado des Ölbohrgeschäfts. Bereits in den 1950ern spielte der junge John Weldon Cale in den Kneipen Tulsas in Oklahoma zum Tanz auf. Dort traf er auch seinen späteren Mentor Leon Russell. Es bedurfte noch eines sagenhaft erfolglosen Ausfluges in die Country-Hochburg Nashville, um Cale seine stilistischen Besonderheiten ausbilden zu lassen.

Sein Gitarrenspiel hing ein Stück weit hinter dem Beat. Alles Überflüssige wurde ausgeschieden. Cales Songs waren lässig swingende Vehikel für seine Kunst des maulfaulen Gesangs. Cales erhaben sparsame Musik, seit den frühen 1970ern auf famosen Alben wie Naturally, Troubadour oder Okie aufgezeichnet, spottet der hysterischen Aufregung des Rock 'n' Roll. Sein "Tulsa"-Sound ist die bis auf die Knochen abgemagerte Apotheose reiner Blues- und Country-Funktionalität. Die Branche dankte es dem introvertierten Mann vom Lande auf ihre Weise: Sie spielte ihn eifrig nach.

Die Solokarriere Eric Claptons erhielt erst durch die Cover der Cale-Songs After Midnight und Cocaine volle Schubkraft. Gitarristen wie Mark Knopfler (Dire Straits) verdanken Cales Saitenspiel beinahe ihr Gesamtwerk. The Band barmte sich durch Crazy Mama, die Allman Brothers spielten Call Me The Breeze. Der Meister selbst aber, der sich "J. J." nannte, um nicht mit dem Waliser John Cale verwechselt zu werden, blieb ein freundlicher Kauz. Die Dollar-Scheine versteckte er hinter der Wandverkleidung seines Wohnmobils. Cale war cool. Das Tour-Leben hasste er, seiner Frau ging er gerne beim Wäschewaschen zur Hand.

Dass er alt werden würde, glaubte er aufgrund seiner Jugendexzesse trotzdem nicht. Mit Clapton spielte er 2006 die sagenhaft erfolgreiche CD The Road To Escondido ein. Sein wichtigstes Utensil blieb die Hängematte. Jetzt ist J. J. Cale, der geniale Nuschler, für den das Wort "zurückgelehnt" erfunden worden ist, Freitagabend 74-jährig infolge eines Herzinfarktes im kalifornischen San Diego gestorben.   (Ronald Pohl, DER STANDARD, 29.7.2013)

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    J. J. Cale 2004.

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