Walter de Maria 77-jährig gestorben

Der US-Künstler zählte zu den wichtigsten Vertretern von Konzeptkunst und Land Art

Wien / New York - Ganze Kontinente suchte er in seiner Kunst zu vereinen, er erdachte Kunstwerke, die kein menschliches Auge jemals erfassen könnte. "Das Unsichtbare ist wirklich", sagte Walter de Maria, der 1977 auf der Documenta 6 den Vertikalen Erdkilometer schuf, einen Messingstab, versenkt in einem tiefen Loch.

Allein die Vorstellung seiner riesigen Arbeiten von minimaler Ästhetik entwickelt Kraft. So wie die Gräben des Drei-Kontinente-Projekts, von dem er 1969 nur den ersten, eine Meile messenden, im Sand der Sahara ausheben konnte. 30 Kilometer von den Bohrungen der Erdölkonzerne entfernt, machte ihn dies simple Unterfangen verdächtig, es führte zu stundenlangen Verhören. Seinen Eingriff verblies der Wind.

"Es mag Leute geben, die Walter de Maria für eine Fantasiefigur halten könnten", schrieb Journalist Willi Bongard damals in der Zeit über seinen Freund Walter. Der Verdacht, der Künstler wäre nicht real, könnte einem jedoch noch immer kommen. Nicht etwa, weil der Künstler in seiner langen Karriere fast keine Interviews gegeben hat und fotoscheu war. Sondern weil seine trotz Monumentalität so demütigen, oft temporären Arbeiten sich im marktgesteuerten Kunstgeschehen von heute vermutlich nicht mehr etablieren könnten.

Zum Glück begann die Karriere des 1935 in Kalifornien geborenen aber in den 60er-Jahren. Und so zählt das feine, poetische Oeuvre, das in Natur und Naturkatastrophen die "vielleicht höchste Form der Kunst" sah, nun zu den Glanzlichtern der Gegenwartskunst.

In einem Karteikasten trug de Maria, der auch in Jazz- und Rockformationen den Percussionisten gab, jene Ideen spazieren, die Taxiunternehmer und Mäzen Robert C. Scull begeisterten. Später war es Heiner Friedrichs Dia Art Foundation, die de Marias geradezu wahnwitzige Projekte ermöglichte - darunter etwa das berühmte Lightningfield (1977): 400 Stahlstäbe, die in der gewitterträchtigen Wüste Neu-Mexikos Teil eines gewaltigen Naturschauspiels werden.

Eine seiner frühen, vom Humor der Dadaisten beeinflussten Arbeiten ist aktuell in Venedig zu sehen, in der reinszenierten Szeemann-Ausstellung When Attitude becomes Form (1969): Ein Telefon mit dem Hinweis, abzunehmen, wenn es klingelt. "Walter de Maria wird am Apparat sein und möchte zu Ihnen sprechen." Jetzt ist es traurige Gewissheit: Das Telefon wird stumm bleiben. Am Donnerstag starb Walter de Maria an den Folgen eines Schlaganfalls.   (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 29.7.2013)

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6 Postings

Guter Mann. Allein mit seiner Idee eines Lightning Field war er mir blitzartig sympathisch, http://bit.ly/13UgWKX

R.I.P.

Ein wirklich trauriger Verlust.
http://www.kassel.de/kultur/do... kte/08267/

Schon jetzt

ein legendärer Künstler.

olta... da karl hofer!

immer im Sommer

gibt es diese traurigen Meldungen über wichtige bildende Künstler, die gegangen sind. R.I.P.

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