Siemens-Chef Löscher fügt sich nun Ablöse

29. Juli 2013, 14:40
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Dass er auf den Rücktritt von Aufsichtsratschef Cromme gedrängt hat, dementiert Löscher nun. Muss Löscher gehen, bekommt er Millionen

München/Frankfurt - Siemens-Chef Peter Löscher wehrt sich gegen seine Ablösung. Er soll auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zum Rücktritt gedrängt haben, dementiert das nun aber gegenüber der Bild-Zeitung. Der Österreicher werde nur dann nachgeben und seinen Posten räumen, wenn auch der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme zurücktrete, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" zuvor unter Berufung auf Konzernkreise.

Sein wahrscheinlicher Nachfolger, der bisherige Finanzvorstand Joe Kaeser, wird allerdings von Börsenanlegern einhellig für die bessere Wahl gehalten. Die Siemens-Aktie kletterte am Montag nach oben.

Komplott vermutet

Ansonsten wollte Löscher es laut SZ auf eine Kampfabstimmung in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ankommen lassen und versuchen, die notwendige Zweidrittelmehrheit für seine Abwahl zu verhindern. Löscher mache für einen Rauswurf vor allem Cromme verantwortlich und beklage ein Komplott. Nun rudert er zurück. "Es geht mir ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370.000 Siemensianer, die zurecht stolz auf ihr Unternehmen sind", gibt sich Löscher gegenüber der "Bild"-Zeitung kleinlaut.

Die Mitglieder des Aufsichtsrats hatten sich in Krisensitzungen am Samstag für eine Abberufung Löschers ausgesprochen. "Der Aufsichtsrat der Siemens AG wird in seiner Sitzung am 31. Juli 2013 über das vorzeitige Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden beschließen", teilte Siemens mit. Nachfolger soll Kreisen zufolge Finanzchef Kaeser werden.

Im Aufsichtsrat rumort es allerdings. Teile des Gremiums kritisieren das Verfahren der Absetzung als unwürdig für einen Weltkonzern, wie es im Umfeld des Unternehmens heißt. Die Rede ist von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" oder gar von einem "Putsch" gegen Löscher.

Guter Beginn, schlechter Verlauf

Löscher hatte am Donnerstag überraschend die Rendite-Prognose für 2014 gekippt und sich damit den Zorn des Kapitalmarkts zugezogen. Der Spitzenmanager stand wegen der jüngsten Gewinnwarnung und einer Reihe von vorangegangenen Misserfolgen stark unter Druck. Zuletzt hatte sich Löscher noch kampflustig gegeben: "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art aufzugeben."

Der langjährige Aufsichtsratschef Cromme hatte 2007 mitten im Korruptionsskandals den seinerzeit weitgehend unbekannten Löscher vom US-Pharmakonzern Merck an die Siemens-Spitze geholt. Allerdings musste Cromme sich zuletzt vorwerfen lassen, er schaue den mitunter glücklos agierenden Siemens-Vorständen nicht immer genau genug auf die Finger. Bei ThyssenKrupp hatte Cromme erst im Frühjahr nach Milliardenverlusten, Kartellverfahren und Personalquerelen das Handtuch als Aufsichtsratschef geworfen.

Kein Wunder, dass sich da Kritik auftut. Cromme solle alsbald "seine eigene Nachfolgeregelung in die Hand nehmen", sagte die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, der "Welt".

Neun Millionen Euro für Abgang

Der Rauswurf Löschers kostet Siemens mehr als neun Millionen Euro. Gemäß Vergütungsregeln erhält ein Vorstand bei einvernehmlichem Ausscheiden zwei Jahresgrundgehälter inklusive Bonus, was sich bei Löscher auf 6,7 Millionen Euro summiert. Dazu kommt eine Spritze für sein Pensionskonto von 2,2 Millionen Euro sowie anteilig der noch nicht festgelegte Bonus für das laufende Geschäftsjahr.

Zudem hat Löscher Ansprüche für seine Altersversorgung über fast 15 Millionen Euro erworben.

Osteuropa-Zentrale in Wien

In Österreich arbeiten bei der Siemens Österreich AG rund 8.900 Mitarbeiter, die im Vorjahr einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro erzielt haben. Rund 40 Prozent der produzierten Waren gehen ins Ausland. Von Wien aus werden weitere 18 Länder im Raum CEE (Central Eastern Europe) betreut.

Vorsitzender der Österreich-Niederlassung ist Wolfgang Hesoun. An der Spitze des Aufsichtsrates steht niemand geringerer als Brigitte Ederer, einst SPÖ-Spitzenpolitikerin und nunmehr Personalchefin des kompletten Siemens-Konzerns und Boss. (APA/red, derStandard.at, 29.7.2013)

  • Peter Löscher lässt nicht locker.
    foto: ap/bilan clemens

    Peter Löscher lässt nicht locker.

  • Ober-Aufseher Gerhard Cromme holte einst Löscher zu Siemens. Und ist nun gleichfalls angezählt.
    foto: apa/becker marius

    Ober-Aufseher Gerhard Cromme holte einst Löscher zu Siemens. Und ist nun gleichfalls angezählt.

  • Personalchefin Brigitte Ederer hat sich noch nicht zur Causa geäußert.
    foto: standard/cremer

    Personalchefin Brigitte Ederer hat sich noch nicht zur Causa geäußert.

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