"Jesus, ich mach das!"

Ansichtssache28. Juli 2013, 20:12
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foto: wdr/tom trambow

Eines sollte man als Gastgeber einer Fernsehshow auf gar keinen Fall sein: zu zimperlich. Oder zu nett. Wie wahr das ist, bewies am Samstag Anke Engelke, die zum ersten Mal die WDR-Kulturshow Anke hat Zeit moderierte. Da verstand nämlich einer ihrer Gäste (Jazzsänger Michael Schiefel) die an ihn gerichtete Frage eines anderen Gastes (Jungdramatikerin Katja Brunner) nicht.

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Während die beiden höflich versuchten, verbal noch irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen, nahm Engelke das Ruder in die Hand, schnauzte dem Unverständigen eine vereinfachte Version der Frage zu und kommentierte gespielt entnervt: "Jesus, ich mach das!"

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Engelke hat die Sendung von Helge Schneider übernommen, der zuvor zwei Folgen lang viel Zeit und Nerven für ziellos mäandernde Gespräche hatte. Die hat auch Anke Engelke, hektisch und bemüht wird es bei ihr nie, sie lässt die Gespräche dorthin fließen, wo sie eben gerade langtreiben. Auch wenn das bedeutet, dass plötzlich die beiden Schweizerinnen Katja Brunner und Sophie Hunger minutenlang über den gemeinsamen Geschichtslehrer und Lokale in Zürich plaudern.

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Wo aber bei Schneider leiser Aberwitz war, da ist Engelke erfreulich direkt. Fragt Sängerin Lianne La Havas, wer denn der ältere Herr sei, von dem sie da singe. Wieso sie nicht mehr zusammen seien. Zahlt es Sophie Hunger Minuten später mit maliziösem Lächeln zurück, dass diese naseweis behauptet hatte: "Anke ist viel weniger schlagfertig als man denkt." Pflaumt ihre Gäste an, wenn die ihr blöd kommen. Wo andere Moderatoren sich mit freundlicher Neutralität abmühen, hat sie Mut zu unverkrampfter Launenhaftigkeit. Auch für den Zuschauer ist das sehr entspannend. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 29.7.2013)

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