Erik Zabel gesteht umfangreiches Doping

29. Juli 2013, 14:34
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Ehemaliger deutscher Radstar gibt zu, seit 1996 systematisch gedopt zu haben

Erik Zabel hat nun doch ein Geständnis über umfangreiches Doping während seiner aktiven Karriere abgelegt. "EPO, Cortison, dann sogar Blutdoping: Es ist doch eine ganze Menge", sagte der ehemalige deutsche Radprofi in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). Zabel erklärte, dass er sich 1996 bewusst entschlossen habe, mit dem Dopen zu beginnen.

Bisher hatte der 43-Jährige 2007 einmal zugegeben, zu Beginn der Tour de France 1996 EPO genommen, es aber nicht vertragen zu haben. Am vergangenen Mittwoch war aus einem Senatsbericht in Frankreich aber klar geworden, dass Zabel auch bei der Tour 1998 positiv getestet worden war.

"Dieser Egoismus war einfach stärker"

Nachdem die Nachweismethoden besser geworden seien, schwenkte er damals nach eigenen Angaben auf Eigenbluttransfusionen um. "2003 habe ich vor der Tour de France eine Re-Infusion bekommen", sagte Zabel der "Süddeutschen". Zabel ist sechsfacher Gewinner des Grünen Trikots für den besten Sprinter bei der Frankreich-Rundfahrt.

Dass er bisher nur von einer einmaligen kurzen EPO-Phase zu Beginn der Tour 1996 gesprochen hatte, begründete Zabel mit seinem damaligen sportlichen Wunschdasein. "Vor allem wollte ich mein Leben behalten, mein Traumleben als Radprofi. Das hat man ja so geliebt, diesen Sport, die Reisen. Dieser Egoismus, der war einfach stärker."

Konsequenzen

Sein heftig kritisiertes Not-Geständnis hat für Dopingsünder Erik Zabel auch erste berufliche Konsequenzen. Seinen Job als Sportdirektor beim WorldTour-Rennen Cyclassics in Hamburg ist der ehemalige deutsche Radstar los. Es drohen weitere Negativfolgen. Das aktuelle Sprint-Ass Marcel Kittel hat sogar eine lebenslange Sperre für den sechsfachen Gewinner des Grünen Trikots der Tour de France gefordert.

Das Team Katjuscha, wo der 43-Jährige als Sportlicher Leiter angestellt ist, hat bisher noch keine Sanktionen angekündigt. Es könnte dem Deutschen zugutekommen, dass es der umstrittene russische Rennstall, der vom früheren Armstrong-Helfer Wjatscheslaw Jekimow angeführt wird, mit dem Anti-Doping-Kampf nicht allzu ernst nimmt.

Zabel ist außerdem aus dem 13-köpfigen Beirat des Radsport-Weltverbandes (UCI) ausgetreten. Er habe UCI-Präsident Pat McQuaid am Montag seinen Rücktritt mitgeteilt und sein tiefstes Bedauern geäußert, dass er so lange geleugnet habe, leistungssteigernde Mittel genommen zu haben. Er sei daher nicht mehr die richtige Person für diesen Posten, teilte die UCI in einer Stellungnahme mit.

Auswirkungen

Ausbaden muss die Negativ-Schlagzeilen die neue Generation, die beim Bestreben nach einem neuen Image im Radsport immer wieder durch die Sünden der Vergangenheit zurückgeworfen wird. Dementsprechend deutliche Worte fand Kittel. "Wer sich Eigenblut reinjagt oder sich eine EPO-Spritze setzt oder Wachstumshormone schluckt, sollte lebenslang gesperrt werden. Denn das tut man nicht aus Versehen", sagte der vierfache Tour-Etappensieger der Tageszeitung "Die Welt". (APA/red. 28.07.2013)

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    Erik Zabel gesteht.

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