Festnahme Serviten-Flüchtlinge: Kaum Grund zur Hoffnung

Kommentar28. Juli 2013, 18:39
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Um ein paar Pluspunkte bei den Heimattreuen zu sammeln, wird nicht nur mit Menschwürde, sondern mit Menschenleben taktiert

Es ist hinterhältig, einen Asylwerber zur einfachen Meldung bei der Polizei einzubestellen und wenn er dem nachkommt, ihn umgehend zu verhaften und wenige Stunden später abzuschieben.

Einen Zusammenhang mit dem Wahlkampf kann die schwarze Innenministerin Johanna Mikl-Leitner noch so vehement leugnen - dass die FPÖ ihr vom rechten Rand aus huldigt, sie habe "auf Druck der Freiheitlichen" endlich Schluss gemacht mit der "Besetzungs"- und "Pseudohungerstreikerpressung" der Asylwerber, zeigt, woher der Wind weht. In dem Fall der acht Flüchtlinge aus dem Servitenkloster wird hier nicht nur mit Menschenwürde, sondern mit Menschenleben taktiert, um ein paar Pluspunkte bei den Heimattreuen zu sammeln.

Viele der Asylwerber haben sich im Lauf des seit Monaten andauernden Protests medial so weit exponiert, dass sie Angst haben müssen, bei ihrer Ankunft im nächsten Gefängnis zu landen, dann aber für länger als 48 Stunden: Aktuellen Berichte von Amnesty International oder den Vereinten Nationen belegen, dass es um die Menschenrechte in Pakistan nicht zum Besten steht: Von willkürlichen Festnahmen ist die Rede, von Folter, Todesfällen in Gewahrsam, außergerichtlichen Hinrichtungen und Entführungen. Es war übrigens in Pakistan, wo der damals 15-jährigen Malala Yousafzai von Taliban ins Gesicht geschossen wurde, weil sie sich für den Schulbesuch von Mädchen starkmacht.

Seit 2010 sind die Asylanträge aus Pakistan in der gesamten EU um 70 Prozent gestiegen. Realistische Hoffnung gibt es für die verbleibenden 39 Flüchtlinge aus dem Kloster sowie 629 weiteren Pakistanis, die im ersten Halbjahr Asylanträge in Österreich gestellt haben, nicht. 2011 wurde gerade einmal ein Antrag positiv beschieden, im Vorjahr waren es zehn. Weniger als ein Prozent. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 29.7.2013)

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