China stoppt Bau des Rekord-Hochhauses

28. Juli 2013, 18:27
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Wenige Tage nach der Grundsteinlegung des höchsten geplanten Wolkenkratzers der Welt verhängten die Behörden einen Baustopp

Chinesische Behörden haben den Bau des mit 838 Metern geplanten höchsten Wolkenkratzers der Welt fünf Tage nach seiner Grundsteinlegung in der zentralchinesischen Stadt Changsha als illegal bezeichnet und stoppen lassen. Für das spektakuläre, "Stadt im Himmel" (Tiankong Chengshi) genannte Bauwerk seien weder bei den zuständigen Bauämtern der Provinz Hunan noch bei der Provinzhauptstadt Changsha Genehmigungen eingeholt oder erteilt worden.

Das erfuhren Reporter der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua und der lokalen Shaoxiang Morgenzeitung. Diese hatte auch als Erste über die Grundsteinlegung berichtet.

Nötige Genehmigungen nicht beantragt

Obwohl der Bauherr, Chinas nationaler Baukonzern Broad Sustainable Building (BSB), ein Privatunternehmen sei und der auf rund 1,1 Milliarden Euro Kosten geschätzte Bau privat finanziert werden sollte, müsse jedes Gebäude nicht nur bauamtlich genehmigt werden, sondern dürfe im Fall eines Hochhauses auch nicht ohne Machbarkeitsstudie, Sicherheits- und Umweltgutachten und einer Anhörungs- und Einspruchsfrist begonnen werden. Nichts davon sei auch nur beantragt worden.

Zhang Yue, Gründer und Vorstandschef der BSB-Gruppe, hatte sich bei der Grundsteinlegung vergangenes Wochenende gebrüstet, nicht nur ein um zehn Meter höheres Gebäude als das 828 Meter hohe Burj Khalifa in Dubai bauen zu wollen. Er würde auch nur zehn Monate dafür brauchen, um den Pyramiden-Stahlbau in einer besonderen Bauweise hochzuziehen. Sein Baukonzern würde dazu zu 90 Prozent vorgefertigte Gebäudeteile nutzen.

Plantagen und 30.000 Mieter

In der Wolkenkratzer-Stadt sollten neben Schulen, Hotels, Schwimmbad, Kaufhäusern, Hubschrauber-Landeplätzen und Agrarplantagen auch 30.000 Bewohner in 4450 Apartments wohnen.

Blogger im Internet vermuteten, dass das als größenwahnsinnig kritisierte Projekt nichts anderes als Eigenwerbung für das Bauunternehmen sein sollte, zumal der Bauherr auch noch mit dem Hubschrauber zur Grundstein­legung einflog. Andere spotteten über die Sprachlosigkeit der Behörden, die erst auf Anfragen der Journalisten reagierten. 

Turmbau von Changsha

Der Turmbau zu Babel könnte auch Turmbau von Changsha heißen. Das Projekt, das inner- und außerhalb Chinas Schlagzeilen machte, passe zudem nicht in die politische Landschaft. Die neue Pekinger Führung hatte gerade allen Behörden, Provinz- und Stadtregierungen verboten, sich in den kommenden fünf Jahren Protzbauten bauen zu lassen.

Laut chinesischen Baustatistiken sollen zehn der 20 höchsten Gebäude der Welt in China stehen. Vier weitere Superbauten seien in Bau, darunter der 632 Meter hohe Shanghai Tower in Pudong, der noch höhere Wuhaner Büroturm und ein auf 660 Meter geplantes Pingan-Finanzzentrum in Shenzhen. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 29.7.2013)

 

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