Asylwerber: "Das Einzige, was sie zu viel haben, ist Zeit"

28. Juli 2013, 18:15
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Asylwerber arbeiten als gemeinnützige Hilfskraft in Gemeinden - NGOs fordern höheren Freibetrag

Salzburg/Bregenz - Nicht warten, dass der Tag vergeht, sondern etwas Sinnvolles tun. Ein Wunsch, den viele Asylwerber mit laufenden Verfahren hegen. Doch der österreichische Arbeitsmarkt ist für Asylwerber mit Ausnahme von Saisonarbeit und selbstständiger Tätigkeit verschlossen. Eine weitere Ausnahme ist die gemeinnützige Beschäftigung in Gemeinden.

Freibetrag von 110 Euro

Abdus Kuddus, Azazul Islam, Hasan Mahmud und Mohammad Rahman waren in der Stadt Salzburg die Ersten, die in einer Abteilung des Magistrats als Hilfskraft eingesetzt wurden. Die vier Männer aus Bangladesch unterstützten im März für drei Wochen die Straßenreinigung. Sie arbeiteten 40 Stunden pro Woche bei einem Stundenlohn von fünf Euro.

Der Verdienst von insgesamt 600 Euro bleibt ihnen aber nicht, da sie Grundversorgung beziehen und in einer organisierten Unterkunft in der Stadt untergebracht sind. Für das organisierte Quartier, bei dem das Land für Kost und Logis aufkommt, müssen die Asylwerber einen Kostenersatz leisten. Sie dürfen einen Freibetrag von 110 Euro pro Monat verdienen - ein "Anerkennungsbeitrag", der nicht als Entgelt gewertet wird.

Gemeinnützige Tätigkeiten

In fünf Abteilungen des Magistrats Salzburg können Asylwerber beschäftigt werden. Neben der Straßenreinigung sind auch die Hilfstätigkeiten bei der Abfallwirtschaft und in Seniorenheimen beliebt. 50 Personen stehen derzeit auf der Warteliste. Auch weitere Gemeinden in Salzburg schreiben gemeinnützige Tätigkeiten aus. In Krimml halfen Asylwerber im Nationalpark Hohe Tauern bei Aufräumarbeiten nach dem Winter, in der Gemeinde Hollersbach unterstützten sie die Renovierungsarbeiten des Schulgebäudes und in Puch arbeiteten sie im Gemeindebauhof mit.

In Vorarlberg können Asylwerber über die Caritas Nachbarschaftshilfe "arbeiten". Während Private die Dienste rege in Anspruch nehmen, ist die Nachfrage von Gemeinden gering. Nur fünf der 96 Kommunen beschäftigen regelmäßig Asylwerber. Meistens sind die Menschen auf Bauhöfen, bei der Landschaftspflege und -erhaltung tätig.

Tagesstruktur extrem wichtig

"Das Einzige, was sie neben Angst und Unsicherheit zu viel haben, ist Zeit", erläutert die Leiterin des Flüchtlingshauses Salzburg, Gerlinde Hörl, die Situation der Asylwerber. Für die Zeit des Wartens eine sinnstiftende Tätigkeit zu finden, sei extrem wichtig. Die Asylwerber würden sich sinnvoll fühlen, hätten eine Tagesstruktur und als positiven Nebeneffekt eine Aufbesserung ihres Taschengelds, das in der Grundversorgung nur 40 Euro pro Monat ausmacht, sagt Hörl.

Die Caritas würde sich einen höheren Freibetrag für die Asylwerber wünschen. Und auch für die Asylkoordination ist die Gemeinnützigkeit nur eine Notlösung: "Das Ziel wäre, den Arbeitsmarkt früher zu öffnen und die Möglichkeit einer regulären Beschäftigung" , sagt Heinz Fronek.

Zu niedrige Zuverdienstgrenze

Weil die Zuverdienstgrenze so niedrig sei, müssten die Hilfskräfte häufig wechseln, betont der Vorarlberger Caritas-Bereichsleiter Michael Natter, "diesen häufigen Wechsel mögen die Gemeinden aber nicht, weil so keine Beziehungen aufgebaut werden können". Der Wunsch der Gemeinden wäre die Möglichkeit geringfügiger Beschäftigung, sagt Natter. (Stefanie Ruep, Jutta Berger, DER STANDARD, 29.7.2013)

 

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