Brüchiges Bündnis: Chinas Ärger mit Nordkorea

28. Juli 2013, 18:27
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Martialisch feierte Nordkorea den 60. Jahrestag des Endes des Koreakriegs, China schweigt

Mit einer großen Militärparade beging Nordkorea am Wochenende den 60. Jahrestag des Endes des Koreakriegs (1950–53). Der nach seinem Tod zum "Ewigen Präsidenten" erklärte kommunistische Staatsgründer Kim Il-sung hatte den Krieg angezettelt. Pjöngjang feiert am Jahrestag den "Sieg im vaterländischen Befreiungskampf".

Tatsächlich endete der für Nordkorea und seinen Verbündeten China äußerst verlustreiche Krieg gar nicht mit einem Sieg des Nordens. Am 27. Juli 1953 vereinbarten Vertreter Nordkoreas und Chinas mit dem alliierten Bündnis aus USA, Südkorea und UN-Staaten einen Waffenstillstand. Seither ist Korea entlang des 38. Breitengrads gespalten. Norden und Süden befinden sich technisch noch im Kriegszustand.

Bei der Militärparade stand neben Machthaber Kim Jong-un (29), dem Enkel Kim Il-sungs, Chinas Vizestaatspräsident Li Yuanchao als wichtigster ausländischer Gast. Aber die traute Eintracht, die Kim und Li vorspielten, als sie sich brüderlich umarmten, ist brüchig. China ist der wichtigste politische Verbündete von Nordkorea und Hauptlieferant von Wirtschafts- und Energiehilfe. Als Mitglied des UN-Sicherheitsrats hat es aber die Atom- und Raketentests von Pjöngjangs Machthaber scharf verurteilt. Peking trägt auch alle vereinbarten UN-Strafsanktionen mit.

Bei seinem Treffen mit Kim sagte Li Yuanchao, sein Land werde sich "als Nachbar dafür starkmachen, dass eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel umgesetzt wird". Peking möchte dazu die "Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Verhandlungen vorantreiben" .

Die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete auch, was Kim geantwortet haben soll. Er würde sich an solchen Gesprächen beteiligen. In den Berichten der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA stand hingegen kein Wort davon, dass Chinas Emissär Pjöngjang zur Atomabrüstung oder zur Teilnahme an den Sechs-Parteien-Gesprächen gedrängt habe.

Zwischen den Zeilen ließ Nordkoreas Führung mehrfach durchblicken, wie sehr ihr Pekings Aufforderungen missfallen. Sie verweist darauf, dass sie den Anspruch auf Atomwaffen in ihrer Verfassung verankert hat. Peking wiederum machte auf seine Art deutlich, wie sehr es Nordkoreas derzeitige Politik nervt. Die Militärparade wurde im Gegensatz zum Vorjahr nicht live vom chinesischen Fernsehen übertragen und in den zentralen TV-Nachrichten nicht einmal erwähnt.

Noch stärker kommt die Distanz Pekings in einem Kommentar zum Ausdruck, den Xinhua wenige Stunden nach der Parade veröffentlichte. China und Nordkorea hätten "noch immer starke traditionelle Bindungen. Zwischenzeitlich aber haben sich die Beziehungen zwischen anderen einstigen Kriegsparteien dramatisch neu entwickelt. China und die USA hoffen darauf, neuartige Paradigmen für ihr Verhältnis untereinander als Weltmächte entwickeln zu können. Auch Peking und Seoul sind für den jeweils anderen zu großen Handelsmächten geworden."  Das Gebot der Stunde und die Lehre aus dem Konflikt von einst lauteten, "nach vorne zu blicken". (Johnny Erling aus Peking /DER STANDARD, 29.7.2013)

 

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    Veteranen des Koreakriegs bei der Militärparade in Pjöngjang. Der Herr in Bildmitte schützte sich auf eher unmilitärische Art vor der Sonne. Ob ihm das eine nachträgliche Degradierung eintrug, ist nicht bekannt.

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