Löscher verliert Machtkampf bei Siemens

28. Juli 2013, 17:27
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Nach einer Serie von Pannen fliegt der Österreicher nun aus dem Unternehmen. Nachfolger wird sein interner Rivale, Finanzchef Joe Kaeser

Jene Mitteilung des Aufsichtsrates, die das Schicksal von Peter Löscher besiegelte, fiel am Wochenende überaus dürr aus: "Der Aufsichtsrat der Siemens AG wird in seiner Sitzung am 31. Juli 2013 über das vorzeitige Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden beschließen."

Zu diesem Zeitpunkt hatte der gebürtige Kärntner Peter Löscher, der seit 1. Juli 2007 Vorstandsvorsitzender des Elektronikkonzerns war, den Machtkampf bereits verloren. Noch in der Samstags-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung war der 55-Jährige mit kämpferischen Worten zitiert worden.

"Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen. Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je", so Löscher.

Gewinnwarnung

Zwei Tage zuvor, am Donnerstag, hatte Löscher mit der zweiten Gewinnwarnung binnen drei Monaten überrascht und die Renditeziele des Konzerns für 2014 gekippt. Als daraufhin der Aktienkurs in die Tiefe rauschte, soll vor allem Aufsichtsratschef Gerhard Cromme auf den Rauswurf Löschers gedrängt haben.

Vor sechs Jahren hatte Cromme Löscher noch persönlich vom US-Pharmakonzern Merck geholt. Der Österreicher war damit der erste Vorstandschef von Siemens, der nicht aus dem Unternehmen kam. Seine erste Aufgabe hat er nach Ansicht von Branchenkennern noch gut gelöst: Er sollte den Schmiergeldsumpf im DAX-Konzern trockenlegen.

Kurz nach seinem Amtsantritt 2007 erklärte Löscher noch: "Alles in allem muss Siemens schneller, stärker fokussiert und weniger komplex werden." Doch gab es eine Reihe von geschäftlichen Misserfolgen: Siemens schaffte den Anschluss an Windparks in der Nordsee ebenso wenig wie die von Löscher persönlich versprochene pünktliche Auslieferung von neuen ICE-Zügen an die Deutsche Bahn. Als überteuert gelten der Einkauf des US-Labordiagnostik-Spezialisten Dade Behring und der zu späte Einstieg ins mittlerweile beendete Solargeschäft.

Unklarer Kurs des Konzerns

Kostspielig war auch die eilige Trennung vom französischen Atom-Partner Areva. Von der Arbeitnehmerseite blies Löscher der Wind wegen seines Sparkurses ins Gesicht. Immer wieder waren auch Klagen zu hören, Löscher gebe dem Konzern kein Gesicht, sei zu konturlos, man wisse nicht genau, wohin Siemens eigentlich steuere.

Als heimlicher Chef galt in den vergangenen Monaten bereits Finanzvorstand Joe Kaeser. Neben Medizintechnikvorstand Hermann Requardt ist er der einzige Siemens-Vorstand, der den Schmiergeldskandal überstand. Kaeser soll Löscher nun nachfolgen, auch dies wird der Aufsichtsrat am Mittwoch beschließen.

Der Rauswurf Löschers kostet Siemens mehr als neun Millionen Euro. Gemäß Vergütungsregeln erhält ein Vorstand bei einvernehmlichem Ausscheiden zwei Jahresgrundgehälter inklusive Bonus, was sich bei Löscher auf 6,7 Millionen Euro summiert. Dazu kommt eine Spritze für sein Pensionskonto von 2,2 Millionen Euro sowie anteilig der noch nicht festgelegte Bonus für das laufende Geschäftsjahr. Zudem hat Löscher Ansprüche für seine Altersversorgung über fast 15 Millionen Euro erworben. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 29.7.2013)

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    Adieu, Siemens. Der Österreicher Peter Löscher (re.) wird vor die Tür gesetzt, Finanzvorstand Joe Kaeser folgt ihm nach.

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