100.000 Kroaten hoffen auf Zins-Rückzahlung

28. Juli 2013, 18:44
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Ein Handelsgericht urteilte kürzlich, dass die Banken zu wenig über Kursschwankungen des Franken aufgeklärt hätten

"Wir sind sehr glücklich, aber wir wissen, dass der Krieg mit den Banken noch nicht vorbei ist", sagt der 38-jährige Tomislav Brlic, der im Westen von Zagreb in einem ebenerdigen Plattenbaubüro, das der Verein "Franken" mietet, sitzt. "Wir bekommen unser Geld auch erst dann zurück, wenn wir in letzter Instanz gewonnen haben."

In Kroatien ist kürzlich ein Urteil erster Instanz bezüglich jener Frankenkredite ergangen, die vor etwa sechs, sieben Jahren vergeben wurden und deren Zinsen wegen des erstarkten Franken ab 2008 massiv gestiegen sind. Das Handelsgericht urteilte nun, dass acht Banken - darunter die Raiffeisen, die Hypo und die Erste Bank - die Konsumenten nicht ausreichend über mögliche Kursschwankungen informiert und damit deren Rechte verletzt hätten.

Der Richter ordnete zudem an, dass die Banken innerhalb von 60 Tagen die Kreditsumme in die kroatische Währung Kuna umrechnen müssen, und zwar zu jenem Kurs, der bei Abschluss des Kredits gegolten habe. Außerdem müssten sie den Zinssatz fixieren.

Verbraucherschützer

Angestrengt wurde der Prozess von Verbraucherschützern. Insgesamt haben etwa 100.000 Kroaten Frankenkredite aufgenommen, heute zahlen noch etwa 75.000 Personen ihre Raten ab.

Herr Brlic hat seinen Kredit über 65.000 Euro für eine Wohnung im Jahr 2007 mit einem Zinssatz von 4,2 Prozent abgeschlossen, monatlich zahlte er damals 2600 Kuna für den Kredit zurück. Heute beträgt die Rate 4000 Kuna. "Ich bin durch den Stress krank geworden", glaubt Brlic. Er sei jedenfalls von der Bank nicht zuvor gewarnt worden. Brlic verdient im Monat 7000 Kuna. Ihm und seinen zwei Kindern blieben 400 Euro zum Leben, erzählt er.

Falls das Berufungsgericht das Urteil in ein, zwei Jahren bestätigt, könnten die Konsumenten zudem auf individueller Basis die Banken zur Rückzahlung des erhöhten Zinsratenanteils auffordern. Die acht Banken sind alarmiert und sofort in Berufung gegangen. Die Hypo-Alpe-Adria-Bank will keine laufenden Prozesse kommentieren, glaubt aber, "dass wir im Einklang mit dem Recht gehandelt haben", schreibt sie dem Standard. Die Erste Bank will in "zweiter Instanz beweisen", dass sie rechtmäßig gehandelt hat. Raiffeisen richtet aus: "Die RBA kommentiert keine ungültigen Entscheidungen und wird in Übereinstimmung mit der gültigen Entscheidung handeln, wenn diese getroffen ist." Auch die Regierung monierte bereits, sie werde keine Destabilisierung des Finanzsystems zulassen.

Der Ökonom Vladimir Cavrak verweist darauf, dass nur 7,9 Prozent aller Kredite in Kroatien Frankenkredite seien, der Anteil bei den Privatkrediten mache 17,7 Prozent und damit 22,9 Mrd. Kuna (etwa drei Mrd. Euro) aus. "Angesichts dieses relativ kleinen Anteils ist davon auszugehen, dass die Banken genügend Ressourcen haben, um diesem rechtlichen Erdbeben standzuhalten", beruhigt er. Heikel würde es dann, wenn die Entscheidung auf Euro-Kredite ausgeweitet oder die Währungsklausel abgeschafft würde. Diese besagt, dass Schulden vom künftigen Wechselkurs einer anderen Währung abhängig sind.

 

(Adelheid Wölfl aus Zagreb, DER STANDARD, 29.7.2013)

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    Bis zur Krise wurde gekauft und gebaut: Drei Viertel der Frankenkredite in Kroatien sind Wohnbaukredite.

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