SAP-Gründer geht mit Firmensitz Walldorf hart ins Gericht

28. Juli 2013, 15:14
23 Postings

Wegen der Lage würden zu wenig kreative Köpfe erreicht - Breitseite gegen Vermögenssteuern

Zu wenig kreativ und zu weit ab vom Schuss: SAP-Gründer Hasso Plattner geht mit der Konzernzentrale in Walldorf, Baden-Württemberg, hart ins Gericht - und plädiert für eine stärkere Einbeziehung anderer Standorte. "Manchmal will ich die Walldorfer Entwickler packen und schütteln und anschreien: "Bewegt euch schneller!"", sagte der Aufsichtsratschef dem "Spiegel". Seiner Ansicht nach erreicht SAP am Hauptsitz aufgrund der Lage zu wenig kreative Köpfe.

"Viel mehr die Berliner Karter spielen"

"Man ist in Walldorf einfach etwas ab vom Schuss, und deswegen gibt es dort weniger kreative Impulse", sagte der 69-Jährige der "Welt am Sonntag". Er fügte hinzu: "SAP müsste in Deutschland noch viel mehr die Berliner Karte spielen. Die jungen Leute wollen halt lieber ihre nächsten Jahre in der Großstadt verbringen." Über eine Verlagerung des Firmensitzes in die Hauptstadt gibt es ihm zufolge zwar keine Diskussion. "Wir müssen aber die Impulse für Innovation an anderen Standorten mehr nutzen."

Belegschaft in Sorge

SAP hatte erst kürzlich angekündigt, der europäische Co-Chef Jim Hagemann Snabe werde seinen Posten aufgeben. Die Belegschaft ist seitdem in Sorge, dass SAP sich von Walldorf weg und weiter in die USA verlagern könnte.

Global auftreten

Auch Plattner sieht die Zukunft des Konzerns eher andernorts. "In den alten Tagen von SAP war es egal, wo wir unsere Software programmiert haben", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" im Hinblick auf den Sitz des Dax-Konzerns. "Heute müssen wir global auftreten, um Erfolg zu haben."

Vermögenssteuer

Zugleich kritisierte Plattner in der "Welt am Sonntag" eine mögliche Vermögensteuer in Deutschland. Seiner Einschätzung nach könnte sie dazu führen, dass Wohlhabende ihren Aktienbesitz verkauften. "Was ist denn, wenn eine Firma keine deutschen Aktionäre mehr hat? Wird es dann noch eine Zukunft für den Firmensitz in diesem Lande geben?"

Umsatzprognose korrigiert

Die wirtschaftliche Lage in Asien hatte den vom Wachstum verwöhnten Softwarekonzern zuletzt ausgebremst und dazu gezwungen, seine Umsatzprognose nach unten zu korrigieren. SAP will dabei nach eigenen Angaben durch alle Bereiche hinweg Kosten drücken. Die "Wirtschaftswoche" hatte berichtet, SAP wolle durch ein Sparprogramm im zweiten Halbjahr 2013 insgesamt 200 Millionen Euro sparen. Ein Sprecher wollte die Summe nicht kommentieren. (APA, 28.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Archivaufnahme des SAP-Gründers Hasso Plattner

Share if you care.