Starke Beteiligung an Wahl in Mali

28. Juli 2013, 20:11
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"Fest für Demokratie und Frieden" - Dank Tausender Soldaten blieb der Wahltag auch im Norden friedlich

Bamako - Nach fast eineinhalb Jahren Chaos und Konflikten nehmen die Menschen in Mali ihre Zukunft wieder selbst in die Hand: Bei der Präsidentenwahl am Sonntag gab es in dem westafrikanischen Krisenland einen großen Ansturm auf die Urnen. Viele kamen schon Stunden vor der Öffnung zu den Wahllokalen, um möglichst früh ihre Stimme abzugeben. Der Präsident der Nationalversammlung, Younoussi Toure, bezeichnete die Wahl als "Festtag für Demokratie, Frieden, Stabilität und Entwicklung".

Insgesamt 27 Kandidaten bewarben sich um das höchste Staatsamt, darunter auch eine Frau. Als Favoriten gelten der politische Veteran Ibrahim Boubacar Keita (68) und der frühere Finanzminister Soumaila Cisse (63). Rund 6,8 Millionen Wähler waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Das Ergebnis soll vermutlich am kommenden Freitag vorliegen. Erreicht keiner die absolute Mehrheit, wird am 11. August eine Stichwahl abgehalten.

Fast nirgendwo kam es zu größeren Zwischenfällen. Kritik gab es aber unter anderem an den neuen biometrischen Stimmzetteln. Sie seien für Teile der Bevölkerung nur schwer verständlich, sagte etwa der Wähler Bakary Toure: "Wir haben hier 90 Prozent Analphabeten, und für die ist das ein schlechtes System. Die Leute werden bei der Wahl Fehler machen."

Islamisten drohen mit Angriffen

Die Abstimmung soll eine Rückkehr zu demokratischer Normalität einleiten. Im Jänner hatten französische Truppen mit malischer Unterstützung die Gewaltherrschaft islamistischer und separatistischer Rebellen in Nordmali beendet. Auch am Sonntag waren Tausende Soldaten der UN-Truppe AFISMA und französische Streitkräfte im Einsatz, um die Sicherheit der Menschen zu garantieren. Noch am Samstag hatten Rebellen der "Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika" (Mujao) mit Angriffen auf Wahllokale im Norden gedroht. Sie forderten die Muslime auf, den Urnen fernzubleiben.

"Die Sicherheitskräfte durchsuchen alle Wähler systematisch, bevor sie zu den Urnen dürfen", sagte ein Beobachter der unabhängigen nationalen Wahlkommission (INEC). "Sie sind höflich, aber bestimmt." Bis zum frühen Abend kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Unter anderem waren Wahlbeobachter der Europäischen und der Afrikanischen Union sowie der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS im Einsatz.

Auch in der noch von separatistischen Tuareg-Rebellen besetzten Stadt Kidal waren zuvor Anschläge befürchtet worden. Bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillierten dort in den Straßen, weil Mitglieder der Tuareg-Organisation MNLA versuchten, Wähler von den Urnen fernzuhalten. "Trotz dieser Sabotage-Versuche und Drohungen sind aber zunehmend Leute in die Wahllokale gekommen, um ihren Präsidenten zu wählen", berichtete ein Sprecher der malischen Armee.

Übergangspräsident Dioncounda Traore, der die Amtsgeschäfte seit dem Staatsstreich geführt hatte, sprach in einer Botschaft an das malische Volk von einem "historischen Ereignis". Er betonte, die Wahlen seien ein deutliches Zeichen für den Willen der Menschen, die Demokratie in Mali wiederherzustellen.

Malische Medien betonten, den künftigen Präsidenten erwarte "eine riesige Aufgabe", da der Militärputsch im März 2012 und die darauffolgende zeitweise Machtübernahme der Islamisten im Norden das Land in Rezession und Armut gestürzt hätten. Jedoch kann der Staatschef auf Hilfe aus dem Ausland zählen: Die Internationale Gemeinschaft hat Mali Hilfen von über drei Milliarden Euro zugesagt, um das Land wiederaufzubauen. Bedingung für die Auszahlung war jedoch die Ausrichtung freier und fairer Wahlen. (APA, 28.7.2013)

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    UN-Soldaten auf Patrouille in Timbuktu

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