Tor-Entwickler zu Prism: "In den USA soll es eine Demokratie geben?"

27. Juli 2013, 13:27
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Jacob Appelbaum und Roger Dingledine sprachen bei einer Vorlesung über Prism und die Rolle der USA

Roger Dingledine, Gründer des Anonymisierungs-Netzwerkes Tor und Entwickler Jacob Appelbaum gaben kürzlich eine Vorlesung an der Technischen Universität in München. Im Mittelpunkt der fast vierstündigen Veranstaltung stand hauptsächlich das NSA-Überwachungsprogramm "Prism", sowie die Rolle der Vereinigten Staaten und Europa.

Empörung

Angesichts des US-Überwachungsskandals gaben Dingledine und Appelbaum an, dass immer mehr Internetnutzer Tor verwenden. In den vergangenen fünf Wochen wurden zu den 3000 Server weitere 1000 angeschafft, um den Nutzer-Ansturm zu bewältigen. Laut Appelbaum würde die globale Empörung über Prism jedoch langsam abklingen. Nur in Deutschland ist aufgrund der “schrecklichen Geschichte“ die Aufregung über das Überwachungsprogramm weiterhin groß.

Demokratie

Keine freundlichen Worte fand Tor-Entwickler Appelbaum für die US-Regierung. In Hinsicht der geheimen Gesetze und dem geheimen Gericht, das Prism juristisch billigte, stellte der US-Amerikaner die Frage in den Raum, ob es in den Vereinigten Staaten überhaupt noch eine Demokratie gäbe. Der in Berlin lebende Appelbaum gab außerdem an, dass man sich auch in Deutschland "nicht sicher fühlen kann", da die dortigen Dienste ähnlich arbeiten wie die NSA in Amerika.

Vorratsdatenspeicherung

Zu Edward Snowden gab der Tor-Entwickler weiters an, dass dieser im Gegensatz zur deutschen Regierung zum Schutz der Bürger beigetragen habe. Worte zur europäischen Vorratsdatenspeicherung fand Appelbaum ebenso, diese würden Prism absolut "ähneln", da auch hierzulande "andere über das Leben urteilen und nicht man selbst". Harte Worte gab es außerdem für die Dienste, die mit der NSA kooperiert haben sollen. Die CEOs sollen allesamt "gelogen haben", als sie eine Zusammenarbeit mit der US-Behörde abstritten.

Ausblick

Einen kleinen Zukunftsblick verschafften die beiden Entwickler bei dem Vorlesungs-Marathon: So sollen verschiedene Produkte eine verbesserte Anonymität liefern, außerdem sei eine anonyme Telefonie in Planung. (red, derStandard.at, 27.07.2013)

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    Tor-Enwickler Jacob Appelbaum bei einem Vortrag in Hamburg.

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