Schlussplädoyers: Manning war naiver Idealist

27. Juli 2013, 10:25
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Für Staatsanwalt war er ein Verräter - Urteil soll kommende Woche folgen

Fort Meade - Letzter Akt im US-Militärprozess gegen Bradley Manning: Seine Verteidigung betonte am Freitag, der mutmaßliche Wikileaks-Informant sei ein Idealist, der den USA nicht schaden wollte. Oberstes Ziel des 25-jährigen US-Obergefreiten sei es gewesen, Kriegsgräuel im Irak zu enthüllen "und damit weltweite Debatten und Reformen auszulösen". Manning sei "ein junger Mann, naiv, aber mit guten Absichten", sagte Verteidiger David Coombs in seinem Schlussplädoyer vor dem Militärgericht in Fort Meade bei Washington.

Die Verteidigung zeigte im Schlussplädoyer ein Video, das Manning 2010 an Wikileaks weitergegeben haben soll: Zu sehen ist ein brutaler Armee-Einsatz im Irak, bei dem Soldaten von einem US-Kampfhubschrauber aus Zivilisten und Journalisten töteten. Coombs stellte die rhetorische Frage: "Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie als 22-Jähriger ein solches Video sehen?"

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag rund fünf Stunden lang gesprochen - und erneut schwerste Vorwürfe an Manning gerichtet. "Er war kein Whistleblower, er war ein Verräter (...)." Manning habe um den Wert der weitergereichten Dokumente für den Feind gewusst, sagte Staatsanwalt Ashden Fein. "Er war keine bedrängte junge Seele, er war ein entschlossener Soldat mit dem Wissen, der Fähigkeit und dem Willen, den USA und deren Kriegsanstrengungen zu schaden."

Urteil soll kommende Woche folgen

Mannings Schicksal liegt nun in den Händen von Richterin Denise Lind. Bis Mitte kommender Woche soll sie entscheiden, in welchen der 21 Anklagepunkte der 25-Jährige schuldig ist. Danach wird das Strafmaß für Manning festgelegt, der bereits gestanden hat, Hunderttausende streng vertrauliche Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.

Dass Manning hinter Gitter kommt, gilt als sicher. Ende Februar hatte er sich in zehn der schwächeren Anklagepunkte als schuldig bekannt. Mit diesem Teilgeständnis hatte er gehofft, einen Vergleich mit einer Haftstrafe von höchstens 20 Jahren erzielen zu können. Doch vergangene Woche weigerte sich Lind, den besonders schweren Vorwurf der "Unterstützung des Feindes" (aiding the enemy) fallen zu lassen. Damit könnte Manning lebenslange Haft drohen.

Für weitere Whistleblower könnte Linds Urteil zum Präzedenzfall werden, darunter Wikileaks-Chef Julian Assange und Computerspezialist Edward Snowden, der die NSA-Spionageprogramme enthüllte. Zudem könnte es starke Auswirkungen auf den investigativen Journalismus haben. Wikileaks seien für den Feind im Internet ebenso verfügbar wie die "New York Times", der "Guardian" oder der "Spiegel", sagte Verteidiger David Coombs. Ein Schuldspruch könnte bedeuten, dass schon beim Kontakt zu einem online verfügbaren Nachrichtenmedium der Tatbestand "Unterstützung des Feindes" erfüllt sen. (APA, 27.7.2013)

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