Von der Hure zur Heiligen: "Evita" in Steyr

26. Juli 2013, 20:41
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Das Musikfestival Steyr steht heuer unter dem Motto "Starke Frauen"

Das Musikfestival Steyr steht heuer unter dem Motto "Starke Frauen". Highlight des Programms ist Evita, Andrew Lloyd Webbers Musical über die argentinische Präsidentengattin Eva Duarte de Perón.

Regisseur Hannes Rossacher versucht im pittoresken Schlossgraben von Steyr den Spagat zwischen Subtilität und Holzhammer: Während etwa das minimalistische Bühnenbild (Georg Lindorfer) durch Backsteinmauern, die nach oben in eine Marmorbalustrade übergehen, subtil Evitas Aufstieg aus kleinsten Verhältnissen an die Spitze der Macht symbolisiert, wird sie durch Rotlichthintergrund und Männer, die mit heruntergelassenen Hosen aus ihrem Schlafzimmer kommen, überdeutlich als Hure dargestellt, die später als Heilige verehrt wird.

Ein weiterer Spagat: Dass Rossacher die Rolle von Peróns Geliebter kurzerhand gestrichen hat, zeugt von Sparsamkeit, die Anwesenheit zahlloser Komparsen von Opulenz. Die minimalistische Ausstattung im ersten Akt kontrastiert im zweiten mit einer Überfülle an Lichteffekten, für die der Heidelberger Lichtdesigner Günter Jäckle, der sonst Stars wie Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer ins rechte Licht rückt, verantwortlich zeichnet.

Profi-Qualität prägt auch die musikalische Seite des Abends: Wie von Komponist Webber vorgegeben, spielt ein Live-Orchester (acht Mann unter der Leitung von Heinz Jiras) die Ohrwürmer des Musicals. Beate Ritter, gebürtige Oberösterreicherin, überzeugt in der Titelrolle mit Leichtigkeit und Stimmvolumen, dasselbe gilt für Raimund Stangl als Che. Daniel Serafins kurze Auftritte als Magaldi lassen wünschen, Librettist Tim Rice hätte diese Rolle größer angelegt; und Kammersänger Josef Luftensteiner gibt General Juan Perón exakt so, wie man es von ihm erwartet. (mth, DER STANDARD, 27./28.7.2013)

Bis 10. 8., Open Air im Schlossgraben Steyr (bei Schlechtwetter im Stadttheater Steyr), 20.30

Link

musikfestivalsteyr.at

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