"Weekend": Einfach ausprobieren, was möglich ist

26. Juli 2013, 20:04
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Eine Männerbegegnung im Liebesfilm "Weekend"

Wien - Die Ehe unter Homosexuellen fand in Großbritannien vergangene Woche auch die Zustimmung der Queen. Dass schwule und lesbische Paare in ganz gewöhnlichen gesellschaftlichen Kreisen noch zu keinem zwanglosen Umgang (geschweige denn einer entsprechenden Darstellung) gefunden haben, dafür liefert Andrew Heighs mehrfach preisgekrönter Film Weekend ein nuancenreiches Bild. Er leistet dies, indem er die Ausnahme darstellt - und nicht dem "issue", dem Problemfall folgt. Er verdichtet Realität, in einer entspannten und zugleich sehr präzisen Form: zwei Männer, ein Wochenende und, vielleicht, der Anfang einer Liebe.

Weekend lässt sich gut als queere Variante von Richard Linklaters Before Sunrise beschreiben. Auch Heigh rückt eine offene Begegnung ins Zentrum, begleitet seine Figuren beim Kennenlernen, meist in Konversationen, und behält dabei die Intensitäten im Blick, die langsam, aber merkbar wachsen. Der introvertierte Russell (Tom Cullen) trifft bei einem nächtlichen Barbesuch auf Glen (Chris New); der Film setzt aber erst am Morgen danach richtig ein, in Russells Wohnung in einem Hochhaus am Rand von Nottingham, wo die zwei in zunächst noch zögerlich-bangen Gesprächen, bei Löskaffee, ihre Eigenschaften und Temperamente am anderen austesten.

Ein Moment der Selbstreflexion, als Glen ein Aufnahmegerät herausholt, um Russell Fragen über die letzte Nacht zu stellen: Was als Verfahren für ein Kunstprojekt eingeführt wird, dient im Film als erste Gelegenheit, die Unterschiede der beiden jungen Männer festzuhalten. Heigh erweist sich dabei schnell als Meister von Zwischentönen, in denen die Anziehung zwischen Russell und Glen an Dynamik gewinnt - die prozesshafte Beschreibung des Verliebens wird gegenüber dramaturgischen Verstärkern bevorzugt, und der Film hält noch in den Sexszenen Distanz, nützt den Zwischenraum, um Verhaltensweisen zu studieren.

Die Grenzen des Möglichen verortet Heigh sowohl innen als außen: Glen hat ein Stipendium in den USA, das er nach diesem Wochenende anzutreten gedenkt. Abgesehen davon wird eine potenzielle Beziehung auch im Gespräch zur Verhandlungssache, bei der dann die Selbstdefinition als schwuler Mann, der gesellschaftliche Status und die daraus resultierenden Haltungen eine Rolle spielen. Mit sensibler Selbstverständlichkeit beschreibt Weekend anhand seiner beiden Protagonisten unterschiedliche Angebote - zwischen Rückzug, Konfrontation und fragiler Gemeinsamkeit. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 27./28.7.2013)

Jetzt im Kino

  • Couchgespräche in Richtung Verliebtsein: Russell (Tom Cullen) und Glen (Chris New) in Andrew Heighs "Weekend".
    foto: polyfilm

    Couchgespräche in Richtung Verliebtsein: Russell (Tom Cullen) und Glen (Chris New) in Andrew Heighs "Weekend".

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