Ein Jahr nach Draghis Rede: Gut geblufft ist halb gerettet

Kommentar26. Juli 2013, 18:46
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Draghis Bazooka feuert nur mit der Zustimmung Deutschlands

All-in. Vor einem Jahr hat die Europäische Zentralbank den Einsatz in der Eurokrise erhöht. Mario Draghi, Präsident der Frankfurter EZB, hatte klargemacht, dass der Euro in jedem Fall und mit allen Mitteln gerettet werde. Er werde dafür alles tun, "whatever it takes".

Seitdem haben viele Spieler den Tisch verlassen. Hedgefondsmanager, die auf den Untergang des Euro gewettet hatten, haben sich die Finger verbrannt. Anleger wie Pensionsfonds und Versicherung sind in die südeuropäischen Anleihenmärkte zurückgekehrt. Doch Draghi hat mit seinem Blatt noch nicht gewonnen.

Denn seinen Worten sind keine Taten gefolgt. Bis heute hat die EZB nicht eine Staatsanleihe in ihrem Rettungsprogramm OMT gekauft. Tatsächlich dürfte man in Frankfurt alle Daumen drücken, dass es auch niemals aktiviert wird. Denn allerlei technische Probleme könnten dem klaren Versprechen seine Glaubwürdigkeit rauben.

So müssen sich Länder, die sich die Feuerkraft der EZB zusichern wollen, um ein Hilfsprogramm in Europa bemühen, verbunden mit Sparmaßnahmen. Die Rettung wiederum muss vom Deutschen Bundestag abgesegnet werden. Gibt es kein Programm, müsste Draghi die Füße stillhalten. Wenn die EZB aber ihre Bazooka nicht zücken darf, könnten Krisen an den Anleihenmärkten nur mit tollen Wachstumsaussichten in Südeuropa verhindert werden. Doch auf diesen Bluff würde aktuell kaum jemand hereinfallen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 27.7.2013)

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