"Dass jemand sterben wird"

26. Juli 2013, 17:53
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Nach 96 Folgen lässt "Dexter" das Töten sein. Michael C. Hall erlebte das Serienende in einer Mischung aus Trauer und Erleichterung: Den killenden Forensiker hält er für einzigartig. Das filmische Morden habe ihn aber mitunter gelangweilt

Wien - An eine Mischung aus "Stolz, Trauer, Schwermut und Erleichterung" erinnert sich Michael C. Hall, wenn er an den letzten Drehtag von Dexter denkt. Nach acht Jahren und acht Staffeln legt Amerikas beliebtester Serienkiller das Messer weg. In den USA laufen derzeit die allerletzten Folgen der tödlichsten aller TV-Serien. Im deutschsprachigen Raum ist Sky Atlantic HD derzeit bei Staffel sieben. Der ORF zeigt die sechste Saison ab 2014.

Es ist das Ende einer Erfolgsgeschichte: Mit Zuschauern bis knapp drei Millionen gehört Dexter zu den erfolgreichsten Serien des US-Abosenders Showtime. Dass der Teufel ein freundliches Gesicht hat, noch dazu bei der Polizei arbeitet und obendrein seine Opfer gewissenhaft auswählt - auf die Schlachtbank kommt nur, wer selbst etwas auf dem Kerbholz hat - fasziniert das Publikum. Mit ausgefeilter Krimilogik und differenzierter Figurenzeichnung nach einer Idee von Jeff Lindsay ist Dexter Teil des "Goldenen Zeitalters des Fernsehens" in den USA, das mit epischen Serien wie Breaking Bad, Mad Men und Boardwalk Empire weltweit Zuschauer anzieht:

"Dexter spielt mit den Abgründen des Menschseins", sagt Hall. Die habe jeder in sich, ist der US-Schauspieler überzeugt. Es gebe sie, "die dunklen Seiten der menschlichen Natur und Verhaltensweisen."

131 Morde

Nicht viele Serienhelden können eine so blutige Bilanz aufweisen wie der smarte Forensiker: 131 Mal hat Dexter Morgan bisher gemordet. War das nicht irgendwann langweilig? "Manchmal langweilte ich mich aufgrund der schlichten Logistik, wie man einen Mord filmt", sagt Hall. "Ich nehme an, dass es einige Tage gegeben hat, an denen ich mich nicht danach fühlte, jemanden zu spielen, der tötet."

Dexter ist dafür verantwortlich, dass Serienkiller im TV wieder voll im Trend sind: The Following und Hannibal zielen mehr schlecht als recht auf dasselbe Publikum: "Wenn Dexter einen Trend ausgelöst hat, ist das okay für mich", sagt Hall.

Kritiker sehen im Tun des moralischen Mörders Selbstjustiz. Hall verweist auf die Figur: "Er ist nicht der typische Psychopath. Er hat für einige Menschen Gefühle." Ein sozial verträglicher Killer: Das mache ihn einzigartig, sagt Hall. Ein 17-Jähriger gab Dexter als Vorbild für einen realen Mord an. "Grauenhaft", sagt Hall, aber schuldig fühlt er sich nicht: "Ich denke nicht, dass die Serie in irgendeiner Weise vermittelt, dass Dexters Lebensstil letztlich belohnt wird."

Über das Ende herrscht strenges Stillschweigen. Folge 96 war sogar für die Schauspieler Top Secret, sagt Hall: "Wir bekamen unvollständige Kopien des letzten Skripts." Nur einzelne Schauspieler wussten alles. Im Web kursieren über das Ende wilde Theorien, etwa dass Dexter schon tot sei. "Wow!", sagt Hall und verrät: "Was ich sagen kann: Es wird nicht still und heimlich enden." Wie es ausgehen soll, stand ungefähr seit der siebenten Staffel fest, erzählt Hall. Nur soviel: "Ich denke, es gibt den begründeten Verdacht, dass jemand sterben wird." (Doris Priesching, DER STANDARD, 27./28.7.2013)

  • Legt nach acht Staffeln das Messer weg: Michael C. Hall als smarter Serienkiller "Dexter".
    foto: sky

    Legt nach acht Staffeln das Messer weg: Michael C. Hall als smarter Serienkiller "Dexter".

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