Der Feind schaut mit

26. Juli 2013, 17:49
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9/11, das Attentat auf JFK, der Tod von Lady Di: Sendung nahm Wahnideen zum Anlass, um über deren Anziehungskraft zu reflektieren

Julie Shuster glaubt fest daran, dass in Roswell 1947 tatsächlich ein Ufo abgestürzt ist. Sie hat dafür einen vergleichsweise soliden Grund: Sie leitet das Ufo-Museum in New Mexico, das mit der Legende von den Aliens, die von US-Militärs geborgen und seziert wurden, ein einträgliches Geschäft macht. Schon ihr Vater, ein Journalist, hatte mit der Story die Auflagen seiner Zeitung gesteigert.

In der 3sat-Dokumentation "Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch" bildete Shuster als Anhängerin einer Konspiration eher die Ausnahme. Die Sendung nahm Wahnideen zum Anlass, um über deren Anziehungskraft und strukturelle Eigenheiten zu reflektieren. Dass diese in einer Welt der Zweifel Gewissheit spenden, ist ein Grund für ihre Beliebtheit; dass mit dem Scheinwissen ein Gefühl der Überlegenheit einhergeht, ein anderer.

Ein Begriff, den man sich in diesem Zusammenhang merken sollte: Blitzlichterinnerung. Er bezieht sich auf jene Momente, die sich unauslöschlich in der Erinnerung verkeilen und die ob ihrer Dimension Verschwörungstheorien anziehen: 9/11, das Attentat auf JFK, der Tod von Lady Di. Die meisten Ideen stehen jedoch auf wackeligen Beinen. Die Vorstellung, dass sich hinter dem adretten Äußeren der Queen ein reptilienhafter Alien verbirgt, ist etwa mit einer besonders boshaften Ausformung von Xenophobie erklärbar.

Am Ende gewann aber doch überraschend Zweifel über die Vernunft. Enthüllungsjournalist Frank Peter Hellmann sprach gerade noch von Machteliten, die in großem Maßstab die Gedanken der Bürger manipulieren - da wurde die Mattscheibe blau. Darauf der Hinweis: Signalstörung. Das Bild kam seitdem nicht wieder. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 27./28.7.2013)

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