Lehrer sehen keine Eile beim neuen Dienstrecht

26. Juli 2013, 18:04
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Die Lehrergewerkschaft will den Zeitdruck aus den Verhandlungen über das neue Lehrerdienstrecht nehmen, die SPÖ aber will diesen eher erhöhen

Wien - Gebetsmühlenartig verkündet die SPÖ, dass das neue Lehrerdienstrecht eigentlich beschlussreif sei und dass man lange genug mit den Vertretern der Lehrer verhandelt habe, um das Ziel zu erreichen. Die Lehrergewerkschaft sieht das völlig anders, die Zielgerade sei keineswegs erreicht - um im Bild zu bleiben: "Wir sind gestartet", sagt der Chef der Beamtengewerkschaft, Fritz Neugebauer, vor Beginn der Verhandlungsrunde am Samstag Nachmittag.

Von den 32 Verhandlungsrunden seien zwei Drittel nur mit Beamten geführt worden, die gar keinen Verhandlungsspielraum gehabt hätten - und aufgrund einer nicht von Ministeriumslegisten, sondern von externen Beratern erstellten Vorlage, sagt Chefverhandler Paul Kimberger. Und die seit Mai geführten politischen Runden entbehrten der wissenschaftlichen Fundierung: Die Lehrergewerkschaft fordert, dass die Arbeitsbelastung der Lehrer erforscht und außer Streit gestellt wird - dann könne man erst richtig verhandeln.

Wobei den Lehrervertretern ein Punkt unverrückbar erscheint: "Wir müssen das Motto ,Mehr Arbeit für weniger Geld' wegbekommen", sagt Kimberger, und Neugebauer macht deutlich, dass das Lebenseinkommen gleich bleiben muss, wenn junge Lehrer mit mehr Einkommen starten, später aber geringere Zuwächse haben: "Man muss wissen: Ist das ein Verlustgeschäft, wenn ich die Lebenseinkommenskurve stürze? Das betrifft ja nicht nur Lehrer, sondern den gesamten öffentlichen Dienst."

Verhandeln könne man bis ins nächste Jahr, erst 2014 müssten Studienanfänger, die die neue Lehrerausbildung beginnen, wissen, woran sie sind.

Die SPÖ will jedoch vor der Wahl eine Einigung haben. Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos will "im Notfall auch gegen Bremser eine Entscheidung treffen" und im Parlament Mehrheiten gegen die Gewerkschaft suchen. SPÖ-Chef Werner Faymann habe bereits den Druck erhöht: "Das ist richtig", sagt Darabos.

Falsch sei das, meint Neugebauer: "Ein nicht akkordiertes Papier beendet den sozialpartnerschaftlichen Dialog." Die gewerkschaftlichen Maßnahmen für diesen Fall müssten nicht aufgezählt werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 27.7.2013)

  • Lehrergewerkschafter Kimberger und Beamtengewerkschafts-Chef Neugebauer wollen ohne künstlichen (durch den Wahltermin erzeugten) Termindruck verhandeln.
    foto: photonews.at/schneider

    Lehrergewerkschafter Kimberger und Beamtengewerkschafts-Chef Neugebauer wollen ohne künstlichen (durch den Wahltermin erzeugten) Termindruck verhandeln.

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