Die Leiden des jungen Thiem

26. Juli 2013, 17:20
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Tennishoffnung tritt in Kitzbühel mit Wild Card an, zuletzt hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen

Kitzbühel/Wien - Dominic Thiem hat es nicht immer einfach. Vier Wochen war die heimische Tennishoffnung im Juni hospitalisiert, an ein Training nicht zu denken. Eine schwere Darminfektion machte dem 19-Jährigen zu schaffen - nicht die erste Krankheit, die den Wiener Neustädter in seiner Entwicklung zurückwarf. "Wenn man gesundheitlich ständig angeschlagen ist, kann man nicht gut spielen", sagt sein Trainer Günter Bresnik dem Standard.

Schlecht spielt Thiem nicht. Nach nur zwei Wochen Training reichte es zuletzt für das Finale des mit 15.000 Dollar dotierten Future-Turniers von Modena. In der Weltrangliste ist Thiem 286., unter den Teenagern hinter dem Australier Nick Kyrgios (214) und dem Franzosen Lucas Pouille (247) gar die Nummer drei. "Bleibt er über einen längeren Zeitraum gesund, wird er sich schnell verbessern", sagt Bresnik.

Vom Mann entfernt

Noch hinkt Thiems Position seinem Potenzial hinterher, "denn spielerisch ist er bereits reif für die Top 100." Körperlich ist jedoch Aufholbedarf festzustellen, kein Vergleich mit einem jungen Sampras oder Becker, die schon als Teenies Grand-Slam-Turniere gewannen: "Das waren damals schon Ochsen, Dominic ist körperlich von einem Mann noch weit entfernt." Generell sei das Spiel athletischer geworden.

Was Thiem fehlt, sind Erfahrungen auf höchstem Niveau. Zwar trainiert er phasenweise mit dem lettischen Topspieler Ernests Gulbis, der ebenfalls von Bresnik gecoacht wird, Matchpraxis ist damit aber nicht zu ersetzen. Gerade recht kommt also die am Donnerstag bestätigte Wild Card für das ATP-Turnier von Kitzbühel. Turnierdirektor Alexander Antonitsch versteht die Einladung als Investition für die Zukunft: "Wenn Dominic später keine Wild Card mehr benötigt, wird er dafür den Bet-at-home-Cup unterstützen."

Ab 28. Juli müssen in Kitzbühel aber noch andere Spieler als Zugpferde dienen, allen voran der hinter Philipp Kohlschreiber (GER) und Juan Monaco (ARG) als Nummer drei gesetzte Jürgen Melzer. Österreichs Nummer eins tritt erstmals seit vier Jahren in Tirol an. Auch Andreas Haider-Maurer, der kürzlich in die Top 100 zurückgekehrt ist und in Umag erstmals seit fast zwei Jahren ein ATP-Match gewann, profitiert von einer Wild Card.

Für die erste Runde erhält Thiem in Kitzbühel 4200 Euro, mehr als er bisher in der Saison 2013 erspielt hat. Bei Future- und Challenger-Turnieren muss man über die Abdeckung der Reisekosten froh sein. Will man tatsächlich Geld verdienen, muss man sich für die Hauptbewerbe der Grand-Slam-Turniere qualifizieren, also in die Top 100 eintauchen. 2014 soll Thiem ebendort anklopfen, bereits Ende 2013 sollte er laut Bresnik "um 150 stehen".

Die Erwartungen sind groß, der Druck ebenso. Eine Situation, der potenzielle Topspieler gewachsen sein sollten: "Mit Druck muss man umgehen können, das muss man lernen wie Vor- oder Rückhand. Schafft man das nicht, ist man für den Beruf nicht geeignet." Bresnik traut seinem Schützling den Sprung in die Weltklasse zu, Gesundheit vorausgesetzt: "Denn für ganz oben muss man fit sein." (Philp Bauer, DER STANDARD, 27.7. 2013)

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    Dominic Thiem (19), Nummer 286 der Welt, will gesund bleiben und durchstarten.

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