Gebäude am Schubertring: Früher Staatsschutzzentrale, heute Schandfleck

26. Juli 2013, 20:58
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Denkmalgeschützter Stahlbetonbau auf der Wiener Prunkmeile steht seit Jahren leer

Wien - In der Wiener Innenstadt gibt es nicht weniger als 750 denkmalgeschützte unbewegliche Objekte. Das Haus mit der Adresse Schubertring 10-12 ist eines davon. Obwohl man es ihm kaum ansieht. Das Gebäude steht seit Jahren leer, der letzte Anstrich dürfte vor Jahrzehnten erfolgt sein. Die großen Glasflächen im Erdgeschoß zeugen von transparenter Gestaltung, doch der Dreck auf den Scheiben lässt nur mehr wenig Licht ins Innere. Kurzum: Wer den Schandfleck auf der Prunkmeile sucht, wird hier fündig.

Geheime Zentrale des Verfassungsschutzes

Bis vor wenigen Jahren hatte der Verfassungsschutz hinter der damals noch nicht ganz so heruntergekommenen Fassade seine geheime Zentrale. Nach der Übersiedlung der Terrorfahnder in die Rennwegkaserne kam nur mehr sporadisch Leben in die Bude - etwa zum Abverkauf von Designermode.

Der mächtige Stahlbetonskelettbau mit der Steinplattenverkleidung im unteren Geschoß stammt aus den 1950er-Jahren und wurde als Bürohaus für die Veitscher Magnesit AG errichtet. Die Erbauer waren Percy A. Faber, von dem laut Wiener Architektenlexikon nur wenige weitere Bauwerke bekannt sind, und Erich Boltenstern, der in der Nachkriegszeit ein vielbeschäftigter Architekt war. Unter anderem hat Boltenstern am Wiederaufbau der Wiener Oper, dem Ringturm und dem Restaurant auf dem Kahlenberg mitgeplant.

Ungewisse Zukunft

Auf der Suche nach dem Besitzer des Objektes mit den zwei Grundstücksnummern spuckt eine Anfrage im Grundbuch die Estrella Immobilieninvest AG mit Sitz im Herzen von Wien aus. Und die gehört Österreichs größtem privatem Bauherrn, Karl Wlaschek. Eine Anfrage bei Estrella über die Zukunft des hässlichen Entleins vom Schubertring blieb bisher unbeantwortet. Im Vorjahr wurde das denkmalgeschützte Gebäude jedenfalls teilweise entkernt. Zumindest weist darauf eine inzwischen wieder abgelaufene Genehmigung, die im Eingangsbereich hängt. Vielleicht kommt ja ein neues Ringstraßenhotel - mit Billa-Lounge. (Michael Simoner, DER STANDARD, 27./28.7.2013)

  • Das denkmalgeschützte Gebäude gehört zum Immo-Imperium von Karl Wlaschek.
    foto: regine hendrich

    Das denkmalgeschützte Gebäude gehört zum Immo-Imperium von Karl Wlaschek.

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