Französische Schauspielerin Bernadette Lafont gestorben

26. Juli 2013, 17:24
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Die Rebellin der Nouvelle Vague erlag 74-jährig einem Herzleiden

Paris - Mit einer Mischung aus Taktlosigkeit und Diskretion erzählte Eddie Constantine einem Interviewer einmal von einer Leinwandpartnerin, von der ihm neben übersprudelndem Temperament besonders ihr Schweißgeruch in Erinnerung geblieben war. Den Namen verriet er nicht, nur so viel: dass sie durch die Nouvelle Vague berühmt geworden sei. Das grenzt den Kreis der Verdächtigen beträchtlich ein, denn nur zwei Schauspielerinnen kommen infrage: Anna Karina und Bernadette Lafont. Und da von übersprudelndem Temperament die Rede war, scheidet Erstere aus.

Lafont führte die entschieden schweißtreibendere Leinwandexistenz. Sie bevorzugte die ungestümen, abenteuerlustigen und rebellischen Figuren. Die feinen Damen lagen ihr nicht. Ihre Figuren konnten rotzfrech, sprunghaft und listig sein. Claude Chabrol besetzte sie gleich siebenmal in der Rolle der anstößigen Frau, die meist auch beachtliche kriminelle Energie entwickeln konnte.

Noch größeren anarchischen Elan zeigte sie in François Truffauts Schelmenroman Une belle femme comme moi / Ein schönes Mädchen wie ich (1971). Schon in ihrem Leinwanddebüt, Truffauts Kurzfilm Die Unverschämten (1956), ist diese Verve zu spüren. Da hinterließ sie bereits auch ihre erste Duftmarke: Verzückt schnuppern die Halbwüchsigen, die ihr und ihrem Liebhaber nachstellen, an dem Fahrradsitz, auf dem sie kurz zuvor gesessen hat.

Sie war immer etwas mehr als die Muse der Nouvelle Vague und immer etwas weniger als ein Kassenstar. In Frankreich galt sie als eine "Incontournable", eine Unumgängliche. Das französische Kino der letzten fünfeinhalb Jahrzehnte hätte ohne die 170 Rollen, in denen sie auftrat, anders ausgesehen. La fiancée du cinéma, die Verlobte des Kinos, nannte die 1938 in Nîmes geborene Schauspielerin ihre Autobiografie.

Der Titel spielt zugleich auf eine ihrer schönsten Rollen an: Die Piratenbraut, die sie 1969 unter der Regie von Nelly Kaplan spielte. Trotz ihrer engen Verbindung zur Neuen Welle gehörte sie keinem Clan an, sondern war zugänglich für jede neue Filmemachergeneration. Dank ihrer Rollen bei Jacques Rivette (Out 1) und vor allem in Jean Eustaches Die Mama und die Hure wurde sie nach dem Pariser Mai 1968 zum Idol einer Jugend, die Alternativen zum bürgerlichen Leben suchte.

Mit Paulette kommt nächste Woche ein trefflicher Abschiedsfilm in unsere Kinos: Eine Million Zuschauer haben den Film allein in Frankreich gesehen. Als raubeinige, rassistische Mittsiebzigerin bessert Lafont darin ihre Rente mit dem Verkauf von Hasch auf. Am Donnerstag ist Bernadette Lafont einem Herzleiden erlegen. (Gerhard Midding, DER STANDARD, 27./28.7.2013)

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    Die französische Schauspielerin Bernadette Lafont, hier bei den Filmfestspielen in Cannes im Jahr 2007, ist 74-jährig verstorben.

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