Mehr Sonne, mehr Umsatz

26. Juli 2013, 18:04
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Zwischenbilanz vom heimischen Kunstmarkt: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Umsätze und besonders die Exporte, wie die Statistik belegt

"Müsste man die Lage des heimischen Kunstmarkts mit den Begriffen des Wetterberichts erklären, würde sie wohl so lauten: bedeckt, einzelne Schauer, schwacher Wind, zu kalt für die Jahreszeit", resümierte Otto-Hans Ressler vor exakt zehn Jahren. Aktuell genießt der ehemalige Kinsky-Geschäftsführer den Ruhestand, und Meteorologen prognostizieren die nächste Hitzewelle. Yasmin, dieses obstinate Hoch samt begleitender Trockenheit, ist freilich nicht überall beliebt: Maisbauern befürchten Ernteausfälle von bis zu 70 Prozent, und seit Freitagnachmittag gilt im Raum Wien absolutes Grillverbot an den dafür vorgesehenen öffentlichen Plätzen.

Derweilen müssten sich Protagonisten des Kunstmarkts theoretisch die Hände reiben, denn schönes Wetter beeinflusst den Kunstkauf im positiven Sinne. Praktisch tun sie das nur bedingt, denn die Mehrheit der österreichischen Kunsthändler urlaubt und - mit Ausnahme der im Dorotheum anberaumten "dailyauctions" - gönnt sich auch die Auktionsbranche eine Verschnaufpause.

Außenhandel floriert

In einer Studie wiesen Wissenschafter an der Universität Maastricht mittlerweile nach, dass bei Auktionen in Schönwetterperioden bis zu vier Prozent mehr für Kunst ausgegeben wird als sonst. Davon abgeleitet sollte gemäß dieser Theorie mit der Anzahl der Sonnenstunden auch der Umsatz steigen, den Beweis werden erst die Jahresbilanzen liefern.

Wie gut oder schlecht die Geschäfte auf dem heimischen Marktplatz seit Anfang dieses Jahres liefen, ist abseits subjektiver Wortmeldungen von Beteiligten nur teilweise über Fakten dokumentierbar. Kunsthändler gewähren keinen Einblick in ihre Bücher, Auktionshäuser nur fallweise (u. a. siehe Tabelle).

One-Man-Show Wolfdietrich Hassfurther notierte bei seiner Aprilauktion Verkäufe im Wert von 1,1 Millionen Euro. Im Kinsky hält derzeit bei 12,62 Millionen Euro (ggb. 2012: plus sechs Prozent), vor zehn Jahren gab man sich zu diesem Zeitpunkt mit nur 3,2 Milliönchen zufrieden. Das Dorotheum übt sich in Zurückhaltung und blickt "auf ein äußerst starkes Halbjahr" zurück. Die beiden Auktionswochen (April, Mai) schlugen sich immerhin mit 29,67 Millionen zu Buche (2012: 26,81 Mio.).

Einen punkto gehandelter Werte interessanten Einblick gewährt jedoch die Außenhandelsbilanz der Statistik Austria. Vorweg, "kleine" Galerien und Kunsthändler sind nicht berücksichtigt, da nur für Unternehmen, die Kunst im Wert von mehr als 550.000 Euro ein- oder ausführen, eine Meldepflicht besteht.

Gemäß den für das erste Quartal 2013 (Jänner bis inkl. März) erfassten Daten wurden Kunstgegenstände im Umfang von 19,16 Millionen Euro importiert (2003: 13,27 Mio.) und in der Höhe von 26,60 Millionen Euro (2003: 13,78 Mio.) exportiert. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierten sich die Einfuhren um fast 43 Prozent (Q1-2012: 33,35 Mio. Euro), während der Wert ausgeführter Kunstwerke um rund 30 Prozent (Q1-2012: 20,33 Mio.) stieg.

Besonders gut laufen übrigens die Geschäfte mit den USA, von wo im ersten Quartal Kunst im Wert von 8,38 Millionen Euro (2012 6,9 Mio.) ein- und im Umfang von 2,65 Millionen Euro (2012: 3,44 Mio.) ausgeführt wurde. Die zweitwichtigste Partnernation blieb Deutschland (Export: 3,02 Mio.), wobei der Import im Vergleich zum Vorjahr (10,08 Mio.) auf 3,58 Millionen Euro schrumpfte. Repräsentativ für diese über Österreich laufende Geschäftsroute steht somit der höchste Zuschlag des Halbjahrs: Hans Makarts Gemälde Tod der Kleopatra (757.300 Euro) war aus Süddeutschland gekommen und fand in New York eine neue Heimat. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 27./28.7.2013)

  • Der vorläufige Topzuschlag steht repräsentativ für die österreichische Außenhandelsbilanz: Hans Makarts "Tod der Kleopatra" kam aus Deutschland und fand via Wien für 757.300 Euro in den USA eine neue Heimat.
    foto: dorotheum

    Der vorläufige Topzuschlag steht repräsentativ für die österreichische Außenhandelsbilanz: Hans Makarts "Tod der Kleopatra" kam aus Deutschland und fand via Wien für 757.300 Euro in den USA eine neue Heimat.

  • Top-10-Auktionsergebnisse Österreich (Jänner bis inklusive Juni 2013)

    Top-10-Auktionsergebnisse Österreich (Jänner bis inklusive Juni 2013)

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