Komplikationen nach Stammzelltransplantation: Urintest zeigt sie

26. Juli 2013, 15:54
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Proteinmuster des Urins liefern frühzeitig Hinweise darauf, ob nach einer Stammzelltransplantation mit Komplikationen zu rechnen ist

Hannover - Die allogene Stammzelltransplantation wird bei bösartigen Erkrankungen wie Leukämien eingesetzt. Eine lebensgefährliche Komplikation dabei ist die "Graft versus Host"-Reaktion (GvHD). Die Immunzellen des Transplantats erkennen die gesunden Zellen des Empfängers als fremd und greifen sie an. Bei schwerwiegenden Verläufen sterben etwa 80 Prozent der Patienten, obwohl die Leukämie-Erkrankung selbst erfolgreich therapiert wurde.

Ein Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat nun gemeinsam mit einem Biotechnologie-Unternehmen einen Urintest entwickelt, mit dem die Mediziner Komplikationen nach Stammzelltransplantationen frühzeitig erkennen können.

Vermeidung unumkehrbarer Organschäden möglich

In einer prospektiven Diagnosestudie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass dieser Test ebenso zuverlässig und aussagekräftig ist, wie die ansonsten übliche Gewebeentnahme (Biopsie). Der Vorteil: Die Ergebnisse liegen bei diesem Verfahren wesentlich früher vor. - Das zeigte zumindest die multizentrische Validierung mit mehr als 1.000 untersuchten Proben. Anzeichen für schwerwiegende Komplikationen - wie etwa drohende Organschäden - lassen sich bereits 14 Tage vor ihrem Auftreten im Urin der Patienten erkennen und somit frühzeitig behandeln, berichten die Wissenschaftler.

"Das Muster aus 17 verschiedenen Proteinmarkern erhöht die Genauigkeit der Vorhersage gewaltig. Der Urintest erkennt die Komplikationen einer schweren Verlaufsform von GvHD so schnell, dass erstmalig die Vermeidung unumkehrbarer Organschäden etwa an Leber, Darm und Haut ermöglicht wird", so Eva Mischak-Weissinger von der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation. Damit übertreffe der Test die Diagnose durch Biopsie, die erst dann positive Ergebnisse liefere, wenn der Patient bereits an GvHD erkrankt sei. "Dann kann es aber schon längst zu spät für eine Behandlung sein", so die Medizinerin. (red, derStandard.at, 26.7.2013)

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