RHI-Chef schließt Werksschließungen aus

26. Juli 2013, 14:18
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Für die nächsten fünf Jahre. Eine geplante Investition in Brasilien wurde allerdings auf Eis gelegt. Man drängt in USA

Wien - Nachdem das RHI-Werk in Veitsch in der Steiermark dank neuer Investitionen und dem Aus des RHI-Werks in Duisburg in Deutschland außer Gefahr ist, hat der 71 Jahre alte Vorstandschef des börsenotierten Unternehmens, Franz Struzl, weitere Werksschließungen für die kommenden fünf Jahre ausgeschlossen. "Durch die Schließung in Duisburg erhöhen wir die Auslastung unserer Werke, die für die Stahlindustrie produzieren, von 70 auf 90 Prozent", so der RHI-Chef im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Format. Eine geplante Investition in Brasilien wurde allerdings auf Eis gelegt.

Bei der wirtschaftlichen Situation im größten Staat Südamerikas "und bei der Rechtsunsicherheit hat zur Zeit jeder Hemmungen dort zu investieren", so Struzl. Das Projekt werde vorerst zwar noch nicht ganz aufgegeben, heuer werde aber noch eine Entscheidung fallen, ob es zu einer kleineren Lösung als ursprünglich geplant kommt, man stehe in Kontakt mit potenziellen Partnern.

Lob auf US-Politik

Sehnsuchtsvoll blickt der RHI-Chef Richtung USA. Dort sei die Gesinnung gegenüber Unternehmen "viel besser als in Europa". Am alten Kontinent gebe es hingegen "ausufernde Bürokratisierung, hohe Energiekosten, Genehmigungsverfahren, Kosten für Klimaschutz und geringe Flexibilität". In Amerika dagegen herrsche eine "Aufbruchsstimmung und die Gesetzeslage gefällt uns sehr gut", so Struzl. "Deshalb wären für uns Teile von ANH Refractories, unserer früheren US-Tochter, sehr interessant. Wir warten ab, ob es da in nächster Zeit zu einem Verkauf kommt", schielt Struzl über den Atlantik und sagt, dass die USA gegenüber Brasilien für die RHI prioritär seien.

Struzl fordert lockere Aktienbesitzregeln

Jedenfalls müsse er die RHI nicht für einen baldigen Verkauf schmücken, den Struzl völlig ausschließt. "Alle Investoren sind langfristig denkend, das sind keine Zocker." Er selbst wolle bis 2016 bleiben "und vielleicht hänge ich dann auch noch eine Runde an. Aber sicher keine lange Runde mehr." Auf sein Alter - dann schon 74 Jahre - angesprochen, meinte Struzl, er sei "selbstverständlich" dafür, dass das Pensionsalter angehoben werden solle. "Jedenfalls bis 67. Für Arbeiter gelten natürlich andere Maßstäbe."

Bedauerlich ist für Struzl - vor zehn Jahren bei der Voest wegen umstrittener privater Aktiengeschäfte ins Schussfeld der Öffentlichkeit geraten - das "restriktive System bei uns in Österreich", bezogen auf das Halten von Unternehmensaktien durch deren eigene Chefs. "Manager sollten möglichst viele Aktien ihres Unternehmens besitzen und auch handeln dürfen", sagt Struzl. (APA, 26.7.2013)

  • Der Produzent feuerfester Materialien drängt nach Amerika.
    foto: rhi/strobl

    Der Produzent feuerfester Materialien drängt nach Amerika.

  • RHI-Chef Franz Struzl über das Arbeiten über 70: "Selbstverständlich dafür, dass das Pensionsalter angehoben wird."
    foto: rhi

    RHI-Chef Franz Struzl über das Arbeiten über 70: "Selbstverständlich dafür, dass das Pensionsalter angehoben wird."

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