Wien braucht im Sommer weniger Strom

26. Juli 2013, 13:38
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Da weniger Menschen in der Stadt sind und Lichter kaum gebraucht werden, fallen Klimaanlagen nicht so stark ins Gewicht

Wien - An heißen Tagen laufen auch in Wien vermehrt Klimaanlagen. Aber von amerikanischen Dimensionen ist man weit weg. "Die Klimatisierung steigt an, aber wir haben die Verbrauchsspitzen beim Strom noch im Winter", sagte Wien-Energie-Sprecher Christian Ammer am Freitag. Am gestrigen Hitzetag lag die Höchstleistung im Wien-Energie-Stromnetz zum Beispiel "nur" bei 1.700 Megawatt - im sehr kalten Jänner 2012 waren es 2.025 MW gewesen.

Ausgeflogen

Im heurigen Juni betrug die Höchstlast bei hohen Temperaturen 1.800 MW. Und im Juli und August "merkt man in Wien einfach, dass Ferienzeit ist", so Ammer. Es seien weniger Menschen in der Stadt, daher werde weniger Strom verbraucht. "Da sind wir um 15 Prozent unter der Winterhöchstlast."

In der kalten Jahreszeit steigt der Stromkonsum nicht nur wegen der Heizung. Auch die Lichter werden länger und häufiger aufgedreht, die Leute sind generell mehr zu Hause und kochen statt grillen.

Kühle Gründerzeithäuser

In den USA ist es laut Ammer genau umgekehrt: Dort wird - wegen der Klimaanlagen - im Sommer mehr Strom verbraucht. "In Wien sind die Tage, wo stark klimatisiert werden muss, überschaubar." Das hat auch mit der Bauweise zu tun. Gründerzeithäuser bleiben länger kühl, da kommt man mit Lüften in der Nacht und Abdunkeln unterm Tag gut durch den Sommer.

Ein "großes Thema" ist die Klimatisierung hingegen bei Bürogebäuden oder Krankenhäusern. Wien Energie setzt da seit ein paar Jahren auf Fernkälte. "An Tagen mit 35 Grad plus haben wir die dreifache Kühlleistung im Vergleich zu durchschnittlichen Sommertemperaturen von 25 Grad", so Ammer. Die Fernkältezentren - im Grunde riesige Kühlschränke - fahren erst ab 18 Grad Außentemperatur hoch.

Fernkälte für Firmen

Die erste Kältezentrale Wiens ging 2009 in Spittelau ans Netz. Diese versorgt unter anderem das AKH, den Radiosender Ö3 oder die Universität für Bodenkultur (Boku). Mittlerweile beträgt die installierte Fernkälteleistung 65 Megawatt. Das entspricht einer Kühlleistung von mehr als 400.000 Kühlschränken. Bis 2020 soll auf 200 MW ausgebaut werden.

Fernkälte ist energiesparender als Klimaanlagen. Private haben davon aber nichts, denn für Wohnhäuser sind derzeit keine Fernkälteprojekte geplant. Der Grund: Die meisten Wohnhäuser haben kein Lüftungssystem, das Voraussetzung für die Nutzung von Fernkälte ist. (APA, 26.7.2013)

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    Öfters auf Ausgang ist man im Sommer. Etwa beim Popfest bei der Karlskirche.

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