Hohe Veitsch: Zur zweiten Blütezeit der alten Sohlenalm

26. Juli 2013, 16:56
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Die nördliche Route auf die Veitsch führt vorbei an einer ruhenden Mine und zum Schwelgen im alpinen Blumengarten

Aus allen Himmelsrichtungen führen Wege auf die Veitsch, die abwechslungsreichsten und landschaftlich schönsten aus dem Norden. Vor allem die Route durch die Rodel - eine Enge zwischen dem Großen Wildkamm und dem Hohen Muckenriegel - erweist sich als überaus lohnend, obgleich sie relativ steil und anstrengend ist. Im Abstieg wird sie häufig von Mariazell-Pilgern begangen. Im Winter tummeln sich die Tourengeher in der Rodel, denn die Abfahrt gilt als eine der interessantesten im Osten Österreichs.

Ein Teil des Gebirgsstocks entpuppt sich als wahrer Blumengarten, an versteckten Plätzen blüht sogar das Edelweiß. Die Pracht dauert bis in den späten Herbst.

Zu dieser außergewöhnlichen Flora gesellt sich vom Gipfel eine hervorragende Aussicht, die bis zu den Hohen Tauern und zum Dachstein reicht. Man schaut weit über das Joglland zur Gleinalpe und hat die bekannten Hausberge der Wiener ebenso wie viele Gipfel der Voralpen fast direkt vor der Nase. Auf dem Gipfel steht eine Panoramascheibe, die das "Ansprechen" der in der Runde liegenden Kuppen und Spitzen wesentlich erleichtert.

Der Berg spielte in der Vergangenheit auch wirtschaftlich wegen seiner Eisenvorkommen eine nicht unwesentliche Rolle. Auf der Sohlenalm, die man beim Abstieg passiert, sind die Pinggen - eingebrochene Stollen - noch deutlich erkennbar. Die letzte Blütezeit erlebte der Bergbau nach Eisenerz auf der Veitsch in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als man auf der Sohlenalm und deren Umgebung pro Tag vier Tonnen Erz förderte.

Die Runde über die Veitsch bietet keine Probleme, eine Felsstufe in der Rodel kann leicht umgangen werden. Doch der Anstieg ist steil und stellt Anforderungen an die Kondition. Bei schlechten Verhältnissen - vor allem bei Nebel und Sturm - ist von der Tour abzuraten.

Die Wanderroute: An der Straße von Mürzsteg zum Niederalpl - etwa einen Kilometer oberhalb des Gasthauses Gamsjäger - beginnt die rote Markierung 465, die über die Vogeltenne in die Rodel führt. Der schmale Pfad steigt sehr steil an, ein felsiger Abbruch nahe der Gingatzwiese kann problemlos auf der rechten (westlichen) Seite umgangen werden, dann geht es direkt zum Gipfel. Gehzeit 3 Stunden. In einer knappen Viertelstunde gelangt man zu dem südlich unter dem höchsten Punkt liegenden Graf-Meran-Haus.

Der Rückweg erfolgt auf dem Wildkammsteig - rot markiert, Nummer 405. Über eine kleine Anhöhe hinweg wandert man zur Gingatzwiese, dann umrundet man den Wildkamm bis zur Sohlenalm. Gehzeit ab Graf-Meran-Haus 2¼ Stunden. Bei einer kleinen Almwirtschaft erfolgt der Wechsel auf den rotmarkierten Weg 463, der steil in den Sohlengraben hinabführt. Erst im letzten Abschnitt vor dem Ausgangspunkt wird der Weg flacher. Gehzeit ab Sohlenalm eine Stunde. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 27.7.2013)

  • Auf der Veitsch.

    Auf der Veitsch.

  • Gesamtgehzeit 6¼ Stunden, Höhendifferenz 1000 m. Graf-Meran-Haus (bis Ende Oktober durchgehend offen, dann bei entsprechender Witterung von Freitag bis Sonntag bewirtschaftet; Almwirtschaft Sohlenalm. ÖK25V Blatt 4211-West (Veitsch), Maßstab 1:25.000.
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 6¼ Stunden, Höhendifferenz 1000 m. Graf-Meran-Haus (bis Ende Oktober durchgehend offen, dann bei entsprechender Witterung von Freitag bis Sonntag bewirtschaftet; Almwirtschaft Sohlenalm. ÖK25V Blatt 4211-West (Veitsch), Maßstab 1:25.000.

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