Schwangere sollen das Haus nicht verlassen

26. Juli 2013, 09:40
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Empörung über Aussagen eines Anwalts: Schwangere seien "unästhetisch" und sollen maximal abends mit dem Ehemann im Auto frische Luft schnappen

Ankara - Hochschwangere Frauen seien "unästhetisch" und sollten das Haus nicht verlassen. Das zumindest ist die Ansicht des muslimischen Intellektuellen Ömer Tugrul Inancer, die er im türkische Staatsfernsehen kundtat. Der Anblick schwangerer Frauen in der Öffentlichkeit sei "nicht nur unmoralisch, sondern auch hässlich".

Sollten sie frische Luft brauchen, sollten sie mit ihren Ehemännern abends Ausflüge mit dem Auto machen. "Mit solchen Bäuchen" aber sollten die Frauen sich auf keinen Fall auf der Straße zeigen. Schließlich würden auch Unternehmen Frauen in den Mutterschutz schicken, damit sie zuhause bleiben. Inancer löste damit einen Aufschrei der Empörung aus.

Wütende Schwangere auf der Straße

In Istanbul und Ankara gingen wütende Schwangere auf die Straße, während einige Männer aus Solidarität ein Kissen unter das Hemd steckten. Feministische Gruppen äußerten sich empört über die Äußerungen. Das Amt für religiöse Angelegenheiten will die Situation beruhigen: Es sei nicht Teil des Islam, schwangere Frauen einzusperren, heißt es. Zugleich rief die Behörde auf, "zurückhaltende Kleidung" zu tragen.

In seltener Eintracht kritisierten VertreterInnen der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP und der Opposition die Aussagen des Anwalts. In sozialen Medien empörten sich zahlreiche Menschen. "Ömer Tugrul Inancers Mutter war während der Schwangerschaft zu Hause eingesperrt, das ist die einzige Erklärung für seine Dummheit", meinte ein User bei Twitter. (APA, 26.7.2013)

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