Erste Bank sieht keine Kreditklemme

25. Juli 2013, 18:45
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Basel III ist für die Bank zu verkraften, die Bankensteuer gehöre abgeschafft. Ihr Staatsgeld zahlt die Bank in zwei Wochen zurück

Wien - Die Republik und private Anleger, die der Erste Bank Ende 2008 mit dem Partizipationskapital von in Summe 1,76 Milliarden Euro beigesprungen sind, können sich freuen. Der Tag der Rückzahlung rückt näher. Am 8. August wird die Rücküberweisung stattfinden. Die Bank hatte im April die "baldige" Rückzahlung angekündigt, der Standard hat berichtet.

Neue Normalität

Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren laut Angaben der Bank die Kosten, die für das PS-Kapital gezahlt werden müssen. Bisher haben die Dividenden acht Prozent betragen, ab nächstem Jahr wären 8,5 Prozent fällig geworden.

In Summe habe sich das Umfeld für Banken in den vergangenen Jahren stark verändert, sagt Erste-Bank-Vorstand Thomas Uher. Die Regulierung habe deutlich zugenommen, Kunden wünschten den immer verfügbaren Berater sowie "die Bank in der Hosentasche", und das Wirtschaftswachstum bleibe schwach. "Die wichtigste Ressource in dieser neuen Normalität ist Zuversicht", sagt Uher im Gespräch mit dem Standard. Als Bank habe man sich daher vorgenommen, "mit dem Jammern aufzuhören und Chancen zu nutzen".

Mobile Nutzung boomt

Diese sieht Uher bei den Kunden im mobilen Bereich. Das App-Angebot werde laufend ausgebaut. Den Quick-Check (dieses App erlaubt ohne Eingabe von Codes den schnellen Blick auf den Kontostand, es können aber keine Überweisungen durchgeführt werden) würden bereits rund 300.000 Kunden verwenden.

Zusätzlich will man "Superfilialen" - so der Arbeitstitel - errichten. Pro Bezirk soll es eine solche Filiale geben, in denen Kunden alle Services zur Verfügung gestellt werden, die die Bank hat. Die erste Superfiliale soll 2014 eröffnet werden. Ein Konzept dafür wird gerade getestet.

Augenmaß

"Die Erste Bank kann und will auch Kredite vergeben", sagt Uher. Von einer Kreditklemme könne nicht die Rede sein. Die Kreditvergabe halte sich stabil. In seinem Haus habe es diesbezüglich auch keine Verschärfungen gegeben. Zwei Punkte dürften nicht vergessen werden: Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, und "vor der Krise hat nicht jeder einen Kredit bekommen, und das ist auch jetzt so".

Angesprochen auf die regulatorischen Vorgaben, sagt Uher, dass "oft die Zuversicht fehlt, dass diese gut überlegt sind". Basel III hält der Erste-Bank-Vorstand für "machbar und notwendig". Die Bankensteuer hingegen "gehört abgeschafft". Vielmehr müsse in einen Fonds eingezahlt werden, der bei einer Bankenrettung herangezogen werden kann. Aber auch andere Gläubiger gehörten hierbei zur Verantwortung gezogen. Bei der geplanten Finanztransaktionssteuer vermisst Uher ein "gewisses Augenmaß" und warnt davor, "Maßnahmen zu implementieren, die den Finanzplatz gefährden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 26.7.2013)

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