Einfach bestechend

Kolumne25. Juli 2013, 18:41
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Die Wahlkampfgeister beginnen allmählich zu sprühen

Allmählich beginnen die Wahlkampfgeister zu sprühen, und in Pressekonferenzen, Interviews wie auf Plakaten trudeln Wortspenden von unterschiedlicher Originalität ein. Der Bundeskanzler lässt vorläufig noch die ÖVP für sich arbeiten, die ihm mit dem Schlagwort von den "Faymann-Steuern" einige der so oft von der Politik geforderten Kanten anfeilen könnte, wenn die SPÖ nur glaubhaft macht, dass es ihr diesmal ernst damit ist. Der Vizekanzler war vom stürmischen Echo seines Vorschlags, die Naturgewalten der Wirtschaft zu entfesseln, so verschreckt, dass er sich in der Frage des Frauenpensionsalters widerstandslos in die Fesseln der ÖAAB-Chefin schlagen ließ, eine Bondage, von der man ihm nur wünschen kann, dass er sie genossen hat. Sein Glück bei den strengen Damen seiner Partei hat sich nach seinem Wunsch, mit Maria Fekter einmal die Rollen zu tauschen, damit aufs Neue bestätigt. Was bräuchte Österreich dringender als einen Kanzler mit so viel Durchschlagskraft sogar in der eigenen Partei?

Gut, ja geradezu entfesselt, war natürlich auch der Einstieg der Grünen mit dem Versprechen von 100.000 neuen Arbeitsplätzen bis 2020, aber meilenweit entfernt von der Originalität, mit der Frank Stronach den Wählerinnen und Wählern auf seinem Wahlplakat endlich die aufrüttelnde Wahrheit über Frank Stronach zukommen lässt. Er sei - unbestechlich! Nicht mehr und nicht weniger. Wenn dieses Bekenntnis einer schönen Seele die Wähler nicht rührt, was dann?

Dass die Politik in diesem Land von Bestechlichkeit nicht frei ist, ist eine Erkenntnis, nicht nur, aber geballt aus den Jahren der schwarz-blauen Koalition, an deren Aufarbeitung die Justiz noch lange arbeiten wird. Wenn sie denn arbeitet. Eine Lehre, die aus dieser Zeit schmerzhaft gezogen werden muss, ist aber, dass je lauter Politiker ihre Anständigkeit im Munde führen, desto größere Vorsicht, ja höchstes Misstrauen geboten ist.

Im nun plakatierten Fall mutet die Selbstbestätigung der Unbestechlichkeit umso merkwürdiger an, weil sich sofort die Frage stellt: Womit sollte man eine Person, die vom Rennstall bis zum Fußballverein schon alles hatte, eigentlich bestechen? Welchen Summen gegenüber weiß sie sich unempfänglich? Ein Milliardär, der mit seiner Unbestechlichkeit auftrumpft, bestätigt genau genommen nur die ethische Wertlosigkeit seines Eigenlobs.

Meint er aber, eben sein Reichtum garantiere seine Unbestechlichkeit, liefe das darauf hinaus, dass saubere Politik nur von reichen Leuten gemacht werden kann, eine These, die tagtäglich in aller Welt widerlegt wird. Wer das Gold hat, bestimmt oft die Regeln, aber er garantiert noch lange keine Sauberkeit. Stronach war nicht immer reich, darüber, wie er es in Kanada wurde, wissen wir nicht alles, aber es gilt die Unschuldsvermutung. Die Behauptung der Unbestechlichkeit unterschlägt den aktiven Aspekt des Themas. Bewusst? Wer selber unbestechlich ist, kann durchaus andere in Versuchung führen, um Einfluss auf die Regeln zu gewinnen. Aber damit hat die Art, wie der Unbestechliche seine Marionetten akquiriert, nicht das Geringste zu tun. (GÜNTER TRAXLER, DER STANDARD, 26.7.2013)

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